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Quentin Tarantino über die originalen „Inglorious Bastards“

Foto_von_Jordan_Strauss_LivewireDas Tarantino-Projekt wird einen räudigen Klassiker des Italo-Exploitation-Kinos der siebziger Jahre wieder ins Licht der Offentlichkeit rücken, ein Genre, das dem Regisseur neben vielen anderen obskuren Spielarten des Weltkinos sehr am Herzen liegt. Quel maledetto treno blindato, 1978 vom versierten Italowestern-Regisseur Enzo G. Castellari inszeniert und in den USA unter dem Titel „Inglorious Bastards“ vermarktet, ist die Grundinspiration für Tarantinos neuen Film. Castellari segelte mit seinem Film im Fahrwasser von Aldrichs „Das dreckige Dutzend“ (1967), der schwerkriminelle US-Soldaten mit einem Spezialeinsatz hinter den feindlichen deutschen Linien betraut hatte. Castellaris Werk (deutsche DVD-Ausgabe unter dem Titel „Ein Haufen verwegener Hunde“ bei Koch Media) hatte sich ganz der Steigerung aller Mittel verschrieben: „Whatever the ,Dirty Dozen‘ did – They do it dirtier!“ wurde zum passenden Werbeslogan.
Castellari feierte im Juli seinen 70. Geburtstag gemeinsam mit den Hauptdarstellern Bo Svenson und dem Blaxploitation-Veteran Fred Williamson (der aktuell von Robert Downy Jr. in „Tropic Thunder“ parodiert wird) und durfte sich über ein besonderes Geschenk freuen: eine amerikanische DVD-Edition seines Films, inklusive eines Gesprächs mit Quentin Tarantino.


Enzo G. Castellari
Toll, dass es diesen Film gibt, der eine Beziehung zwischen uns gestiftet hat. Dass zwei Regisseure einen Film gemeinsam haben, ist etwas Großartiges, wirklich Interessantes. Besonders, weil ich so gespannt bin, zu sehen, was du daraus machst, wie du diesen Film drehen wirst.
Tarantino_mit_CastellariQuentin Tarantino Ich habe zum ersten Mal von „Inglorious Bastards“ in der Besprechung in „Variety“ gehört. Und ich dachte: Wow, das ist eine wirklich gute Geschichte. Ein paar Typen, die vors Kriegsgericht gestellt werden, der Gefängniskonvoi, der von Nazis attackiert wird, alle anderen sterben, außer ihnen. Jetzt können sie aber nicht zu ihrer Frontlinie zurück, weil sie entweder hingerichtet oder ins Gefängnis geworfen würden. Also versuchen sie, sich bis zur Schweiz durchzuschlagen, und werden dabei auf dem Weg in Kämpfe verwickelt. Ich dachte: Wow, that’s a really fucking great story!

Der Grund, warum ich immer an der Idee festgehalten habe, Inglorious Bastards zu machen, war ein doppelter. Aber das ist ja immer so: Es gibt den ursprünglichen Funken einer Idee und das, was man schließlich macht. Der Funke war mein Gedanke, dass man mit dieser wirklich großartigen Storyline ganz viele Sachen machen könnte. Man könnte sich sonstwohin damit bewegen, an fast jeden denkbaren Ort. Und ich mochte das ganze Setting. Andere Regisseure haben schon Filme über das okkupierte Frankreich gemacht, aber die Grundidee erschien mir so verführerisch: Soldaten, die eigentlich Kriminelle sind. Sie können nicht zurück nach Amerika. Sie kämpfen gegen die Deutschen, sie kämpfen gegen die Amerikaner, um in die Schweiz zu kommen. Eine großartige Idee. Ich mag den Inszenierungsstil deines Films total. Aber ich mochte auch den Titel. Der Titel war fantastisch. Besonders, weil den Film niemand anderer kannte. Ich war der Einzige, und wenn jemand anderer den Titel kannte, dann nur, weil ich ihm davon erzählt und ich ihm den Film gezeigt hatte. Er wurde zu einer Art kleinem persönlichen Film, zu meinem Film: Macht das Sinn, was ich sage?

Castellari Aber ja.
Tarantino Weil niemand anderer davon wusste. Nur ich. Und wenn ich mit jemandem darüber reden wollte, musste ich ihm zuerst den Film zeigen.

Castellari
Ich danke dir.
Tarantino Ich danke dir. Aber warte, bis du den Film siehst. Du sagst vielleicht, dass ich den Namen ruiniert habe. Die Bravos müssen noch warten, bis ich den Film gedreht habe.

 

Inglorious Bastards (Quel maledetto treno blindato), Italien 1978; Regie: Enzo G. Castellari; Die soeben in den USA bei Severin Films erschienene, fabelhafte „3 Disc Exposive Edition“ versammelt Dokumentationen, einen Audiokommentar des Regisseurs, eine CD mit der originalen Filmmusik und das Gespräch zwischen Quentin Tarantino und Enzo G. Castellari, dem wir hier einen Ausschnitt entnommen haben. Bestellbar über amazon.com für 19.99 USD

Foto: Jordan Strauss Livewire

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