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Tarantinos „Inglorious Bastards“

Haufen_verwegener_HundeTarantino ruft, und alle kommen: Lang und länger wird die Schlange auf dem Gelände von Studio Babelsberg, Hunderte wollen sich hier als Komparsen vorstellen. Die Casting-Agentur sucht „normale Menschen“, aber auch „markante Gesichter“, Männer zwischen 20 und 45 Jahren, gerne blond und mit militärischer Ausbildung sowie Arm- und Beinamputierte. Auch Frauen sollen besetzt werden, Kinder werden – entgegen dem Aufruf – wohl doch nicht gesucht. Dabei sind die an diesem Morgen zahlreich vertreten, besonders die kleinen blonden Foto_von_Quentin_TarantinoMädchen mit geflochtenen Zöpfen fallen auf. Für einige scheint das Casting ein Familienausflug zu sein, Kinderwagen sind hier neben iPods gängiges Accessoire. Die Wartenden sehen nach Prenzlauer Berg, Mitte oder Kreuzberg aus, freundliche junge Leute eher am unteren Ende der gesuchten Altersgruppe. Dazu kommen vereinzelt greise Trunkenbolde und noch nicht vollständig ausgenüchterte Teenager.
Gesittet wartet man in der Schlange auf Infoblatt und Laufnummer der Casting-Agentur, nur gelegentlich bugsieren breit gebaute Sicherheitsleute die Menschenmasse an den Rand der Einfahrt. Reichlich amüsiert beobachtet das ein rauchender Babelsberg-Mitarbeiter, ein „Set Medic“, der aufpasst, „dass hier keiner im Gedränge umkippt“. Nicht unwahrscheinlich – später wird gemeldet, es seien gut 2500 Leute erschienen. Zu den Ersten gehörten zwei junge Frauen aus Brandenburg. Drei Stunden vor Casting-Beginn waren sie schon da. Nicht, dass sie schauspielerische Ambitionen oder Komparsenerfahrung hätten, darum geht es ihnen nicht. Wichtig ist für sie nur der Regisseur, in dessen Massenszenen sie auftauchen wollen. Das sei ja nicht irgendwer, erklären sie mit leicht atemlosen Enthusiasmus: „Das ist Quentin Tarantino!“


Foto_von_Theo-Heimann_ddpDer ist schon seit Wochen in der Region, um sein neues Projekt „Inglorious Bastards“ (auch als „Inglourious Basterds“ bekannt) vorzubereiten. An Berlin hat Tarantino offensichtlich vor einem Jahr Gefallen gefunden: Zur Premiere seines Films „Death Proof“ wurde damals in der Bar 25 eine große, Wodka-getränkte Sause veranstaltet, der Regisseur schwärmte vom deutschen Bergfilm und von deutschen Schauspielern wie Daniel Brühl oder Til Schweiger. Profi mit Hang zur Party, aber auch überraschendem Detailwissen, so stellt sich Tarantino auch jetzt dar. Nur bruchstückhaft, aber sehr mediengerecht tauchen Film und Filmemacher in Berlin und den Medien auf: Tarantino logierte im Hotel Q!, verhandelte mit Brad Pitt, Mike Myers, Brühl, Schweiger, Diane Kruger und Christoph Waltz, angeblich auch mit Leonardo DiCaprio, Nastassja Kinski, Jana Pallaske und Ulrich Tukur, er wurde im Kirk Royal gesehen, der Bar 25, dem Alt-Berlin und in der Ankerklause an der Schulter seiner neuen „Muse“, der Burlesque-Künstlerin Tallulah Freeway. Auch jenseits dieser Hot Spots scheint Kreuzberg Tarantinos Basislager zu sein, aus örtlichen Videotheken hat er sich Recherchematerial kommen lassen, Mitglieder der Produktion haben sich hier angeblich eingemietet. Ganz genau weiß man das nicht. Harte Fakten sind auch drei Wochen vor dem angeblichen „Bastards“-Drehbeginn am 13. Oktober kaum zu bekommen, es herrscht eine riesige, kalkulierte Geheimniskrämerei. Zwar werden Komparsen gesucht, eine offizielle Presseerklärung zu „Inglorious Bastards“, eine endgültige Besetzungsliste und konkrete Informationen zum Dreh gibt es aber nicht.

Den vollständigen Artikel finden Sie im tip/21

Text: Thomas Klein
Foto: Theo Heimann, ddp

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