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Tatort: Berlin-Box

tatort-berlinJedenfalls bezeichnend, dass man in der seit kurzem erscheinenden umfangreichen „Tatort„-Edition keinen einzelnen Kommissar für würdig genug befand, mit einem eigenen Triple bzw. Quartett geehrt zu werden, wie etwa mehrere Kollegen aus anderen Städten. Stattdessen gibt es eine „Berlin-Box“ mit drei verschiedenen Kommissaren aus ebenso vielen Jahrzehnten, leider nicht mit den frühen Kommissaren, die von Hans Peter Korff und Volker Brandt mit eigener Note verkörpert wurden und die man auch bei den Wiederholungen nie mehr sieht. „Nur die besten Fälle aus 4 Jahrzehnten“ verspricht diese Edition. Was dann „Keine Tricks, Herr Bülow“ hier zu suchen hat, muss man sich ernsthaft fragen: Der Ex-„Wallace“-Kommissar Heinz Drache wirkte mit seinem geschniegelt-autoritären Auftreten schon 1989 wie ein Auslaufmodell, heute nur noch unfreiwillig komisch.

Auch der Fall ist ziemlich bräsig – insofern nur empfehlenswert für den, der noch mal einmal den Mief der Insel Westberlin spüren will. Das genaue Gegenteil ist „Berlin – Beste Lage“ mit Günter Lamprecht als Kommissar Markowitz, der von den ökonomischen Profiteuren der Wiedervereinigung den Bogen zu den Profiteuren der ‚Arisierung‘ 1938 schlägt. Die Erzählweise von Regisseur Matti Geschonneck hat etwas wunderbar Gelassenes, arbeitet immer wieder mit wortlosen Totalen, die mehr sagen als viele Dialoge – aus den acht Markowitz-Krimis hätte man mit Leichtigkeit ein Triple zusammenstellen können. „“Eine ehrliche Haut“ schließlich ist einer der besseren Fälle des amtierenden Ermittlerteams Ritter/Stark, in dessen Mittelpunkt ein Politiker steht, dessen Ambitionen durch eine Intrige zerstört zu werden drohen – oder ist er vielleicht doch nicht so untadelig, wie er vorgibt?

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Annehmbar

Tatort: Berlin-Box

(„Keine Tricks, Herr Bülow“, „“Berlin – Beste Lage“, „Eine ehrliche Haut“ Deutschland 1989/1993/2004; Regie: Jürgen Roland/Matti Geschonneck/Ralph Bohn; Mitwirkende: Dieter Kirchlechner, Eleonore Weisgerber; Renate Küster, Gerry Wolff; Heikko Deutschmann, Stefanie Stappenbeck. Farbe, 80/98/89 Minuten; Deutsch, optionale deutsche Untertitel für Hörgeschädigte (Bonusmaterial: Kurze Interviews und Berichte aus dem Lokalfernsehen, zusammen 31 Minuten). Erschienen bei Walt Disney Studios Home Entertainment

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