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Filmkritik

„The Deposit“ von Ásthildur Kjartansdóttir: Geflüchtet in Island

Drama Gut gemeint ist nicht immer gut getan. In einer grün-grauen isländischen Vorstadtszenerie muss das die Journalistin Gísella schmerzlich feststellen. Sie wohnt alleine in einem großen Haus, ist unzufrieden mit ihrem Job, kündigt und fängt an, nun von ihrer eigenen Neugierde geleitet, sich für Einwander*innen zu interessieren. Ihre Recherche führt sie zu einem heruntergekommenen Gebäude, wo sie drei Frauen kennenlernt: Marisol aus Kolumbien und Abeba aus Uganda mit ihrer Tochter Luna. Von den Folgen dieser Begegnung erzählt der Film „The Deposit“ von Ásthildur Kjartansdóttir.

"The Deposit" von Ásthildur Kjartansdóttir
„Was mir gehört, gehört auch euch“ – Hilfsbereitschaft in „The Deposit“ von Ásthildur Kjartansdóttir. Foto: Nordlichter

Kurzerhand bietet Gísella (Elma Lísa Gunnarsdóttir) den dreien an, bei sich einzuziehen. „Was mir gehört, gehört auch euch“, verkündet sie überzeugt. Bald stellt sie aber fest, dass sie sich in ihrem Zuhause nicht mehr wohlfühlt. Ihre anfängliche Offenheit bereitet ihr nun Probleme. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen eine der Frauen das Gefühl hat, dass Grenzen überschritten wurden. Regeln wie „Besuche ankündigen“ schreibt Gísella irgendwann an eine Kreidetafel in der Küche. Sie versucht, so das Zusammenleben wieder ins Lot zu bringen.

Herausforderungen des Helfens in „The Deposit“ von Ásthildur Kjartansdóttir

Dies führt aber dazu, dass Abeba (Enid Mbabazi) und Marisol (Raffaella Brizuela Sigurðardóttir) sich eingeschränkt und kontrolliert fühlen. Das anfängliche gemeinsame Kochen, Lachen und Wein trinken schlägt in Misstrauen um.

In ihrem Spielfilmdebüt erörtert Ásthildur Kjartansdóttir Fragen von Macht, Besitz und Ressourcen am Beispiel der Lebensgeschichten der Protagonistinnen. Der Film widmet sich den Herausforderungen, mit denen sowohl die konfrontiert sind, die helfen wollen, als auch die, die Hilfe annehmen.

Dabei bleibt das Drama meist bei der Perspektive der hilfsbereiten, teilweise zu wissbegierigen Journalistin, die zu spät merkt, dass das Angebot, das sie gemacht hat, sie überfordert. Und wann es zu spät ist, weiß man oft erst dann, wenn es so weit ist.

Tryggð (OT); ISL 2019; 89 Min.; D: Ásthildur Kjartansdóttir; D: Elma Lísa Gunnarsdóttir, Enid Mbabazi, Raffaella Brizuela Sigurðardóttir; Kinostart: 6. 8. 2020


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