Genrekost

„The Eyes of my Mother“ im Kino

Hermetisches Universum: „The Eyes of my Mother“ dreht sich nur um sich

Foto: Dropout Cinema
Foto: Dropout Cinema

Wenn ein unbekannter Mann auf einem abgelegenen Bauernhof auftaucht und nach einer Toilette fragt, dann hat er entweder ein menschliches ­Bedürfnis – oder ein unmenschliches. „The Eyes of my Mother“ von Nicolas Pesce ist erst wenige Minuten alt, als es zu einer entsprechenden Situa­tion kommt. Und da man vorher schon zu sehen bekam, was das Auge einer Kuh enthält, kann man sich in etwa vorstellen, was dem Mädchen Francisca in den nächsten Szenen widerfährt. Man muss es sich auch vorstellen, denn Pesce arbeitet mit einem klassischen Mittel des schockierenden Kinos: Das Ärgste geschieht im Off.
Francisca, die in einer Welt der Wunder aus dem Geist des Heiligen Franz von Assisi aufwächst, wird zur Zeugin eines grauenhaften Akts, dann zur Komplizin einer sadistischen Rache. Nicolas Pesce zielt mit seinem Debütfilm deutlich auf einen Schrecken, der sich ganz und gar dem Horror als einer schönen, schrecklichen Kunst verschrieben hat.
In prächtigem Schwarzweiß, mit wunderbarem Hintergrundlicht, wird die Geschichte eines nachtseitigen Lebens erzählt. Francisca (als Erwachsene von Kika Magalhaes gespielt) ist eine Außenseiterin, die nach einer neuen Familie sucht, nachdem das Schicksal sie zu dem unheimlichen Wesen werden ließ, das nun schwer Kontakt zu Menschen findet. Die psychologischen Muster liegen auf der Hand, die ästhetischen auch. Das wird mit zunehmender Dauer zu einem Problem: Der Film kennt nichts anderes als die geschlossenen Regelkreise einer abseitigen Fantasie, die sich von sich selber ernährt. In das hermetische Universum von Nicolas Pesce dringt kein Leben, und deswegen berühren einen auch die Tode nicht.

The Eyes of my Mother USA 2016, 76 Min., R: Nicolas Pesce, D: Kika Magalhaes, Olivia Bond, Diana Agostini, Start: 2.2.

Bewertungspunkte4

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