Drama

„The Florida Project“ im Kino

Vorübergehender Wohnsitz: „The Florida Project“ zeigt prekäre Familienbande

Prokino

Moonee, Jancey, Scooty, das sind die Namen dreier Kinder, die in „The Florida Project“ den Ton angeben. Und das ist ganz wörtlich zu verstehen: Immer wieder schreien sie sich die Seele aus dem Leib. Moonee und ihre Mutter Halley leben in einem billigen Motel, und man darf ihnen bloß nicht unterstellen, dass sie eigentlich hier ihren Wohnsitz haben und nicht nur vorübergehend zu Gast sind.

Der Hausmeister Bobby, ein gutmütiger Brummbär, sieht lange großzügig über das Offensichtliche hinweg. Futureland oder Magic Kingdom heißen die Etablissements, auf den Wegen ­zwischen Fast Food und Fast Sleep leuchten Billboards, alles wirkt auf eine merkwürdige ­Weise verzaubert, für die Kinder gibt es ausreichend Freiräume, um die fehlenden Handlungsspielräume nicht zu bemerken. Die „working poor“ (und dann eben irgendwann auch „sex working poor“) leben in einer Welt im Umland von ­Orlando, die offensichtlich auf den Amerikanischen Traum und seine architektonischen und raumplanerischen Ausprägungen (und sein ­Alltagsdesign) bezogen ist. Das improvisierende Leben der Mutter spiegelt sich in der kindlichen Impulsivität, der Vorsprung der Großen an ­Lebenswissen reicht nicht für einen Plan.

Die Gratwanderung zwischen einer ­leuchtenden, anarchischen Kindheit und den unübersehbaren Spuren der Verwahrlosung lässt Regisseur Sean Baker in einer spektakulären Einstellung enden, die aus dem Film eine Art Anti-Märchen ohne Prinz, dafür aber mit Willem Dafoe werden lässt.

The Florida Project USA 2017, 115 Min., R: Sean Baker, D: Willem Dafoe, Brooklynn Prince, Bria Vinaite, Start: 15.3.

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