Aufsteigerporträt

„The Founder“ im Kino

Sympathisches Arschloch – „The Founder“ erzählt vom Aufstieg der Fastfood-Kette mit dem großen M

Foto: Splendid Film

Das Filmplakat zeigt Ray Kroc (Michael Keaton) so, wie er sich selbst wohl gern sah: als Siegertyp. Und so sieht ihn auch die Firma McDonald’s bis heute: als visionären Gründer des Fastfood-Unternehmens. John Lee Hancocks tragikomisches Biopic „The Founder“ porträtiert Kroc ein wenig differenzierter; hier erscheint er als ein zwar vom Erfolg besessener Mann, der gleichwohl ein Verlierer ist, und das von Anfang an.
Mitte der 1950er-Jahre arbeitet Ray Kroc als wenig erfolgreicher Vertreter von elektrischen Multimixern, als die Besitzer eines Imbisses im kalifornischen San Bernadino ungewöhnlich viele der Maschinen ordern. Er fährt hin und entdeckt das Schnellrestaurant der Brüder McDonald mit einem für die Zeit revolutionären Konzept: Arbeitsteilige Abläufe in der Küche verringern die Wartezeit, und es gibt weder Kellnerinnen noch Geschirr. Kroc erwirbt die Franchise-Rechte und macht sich auf, das Land mit einer neuen „amerikanischen Kirche“ zu beglücken. Was ihn schon bald in Konflikt mit den auf ­Qualität bestehenden Brüdern McDonald bringt.
„The Founder“ ist weder Anti-McDonald’s- noch Anti-Kapitalis­mus-Pamphlet, sondern ein über weite Strecken amüsanter Unterhaltungsfilm, in dem Michael Keaton die brillant bewältigte Aufgabe zufällt, ein Arschloch zu verkörpern, dem man gern zusieht. Man lacht über Krocs Schlitzohrigkeit, über ­seinen Enthusiasmus und seine nie versiegende Energie. ­Zugleich besitzt er in seiner Skrupellosigkeit auch etwas ­Tragisches: Der geschäftliche Erfolg ist nicht gleichzusetzen mit einem menschlich erfolgreichen Leben. In einer der schönsten Szenen telefoniert Kroc geschäftlich mit der Frau eines Geschäftspartners. Gefilmt ist dieser Moment wie eine Liebesszene. Denn es gibt nur eines, was Kroc und seine zweite Frau miteinander verbindet: das Business.

The Founder USA 2016, 115 Min., R: John Lee Hancock, D: Michael Keaton, Nick Offerman, Laura Dern. Start: 20.4.

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