Berlinale 2017

„The Party“ im Wettbewerb der Berlinale

Sally Potter ist ein temporeiches Kammerspiel mit herausragenden Schauspielern geglückt

© Oxwich Media Limited/ Adventure Pictures Limited

Janet hat es geschafft. Sie ist gerade zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett ernannt worden. Deshalb gibt sie in ihrem schönen Haus eine kleine Party im Kreise ihrer engsten Freunde. Ihr Mann Bill hat schon mal den Rotwein geöffnet und eine Vinylplatte aufgelegt. Und dann trudeln nach und nach die Freunde ein. Janets engste, äußerst elegante und scharfzüngige Freundin April und ihr deutscher, die Alternativmedizin predigender Mann Gottfried (unglaublich gut: Bruno Ganz), die Professorin für Genderstudies Martha mit ihrer Freundin Jinny, einer bekannten Köchin. Und der Banker Tom, der aufgrund seines Berufes eigentlich gar nicht reinpasst in dieses linksliberale, aber sehr etablierte Milieu. Ein Milieu, das man das typische politische und intellektuelle Führungspersonal der fortschrittlicheren Demokratien nennen könnte.

Eine heile Welt also mit lauter wichtigen, nicht mehr jungen Leuten – die in nur 71 Minuten komplett auseinandergenommen wird. Die britische Regisseurin Sally Potter („Orlando“) hat den Film nach einem von ihr geschriebenen Originaldrehbuch gedreht, auch wenn es wie die Verfilmung eines Theaterstücks wirkt: ein einziger Schauplatz, brillant geschliffene Dialoge. Und sieben umwerfende Schauspieler, denen Potter manchmal mit der Kamera ganz eng auf den Körper rückt, ihnen aber insgesamt einen ungeheuren Spielraum gibt.

Schnell wird klar, dass es diese Menschen zwar in Sachen Karriere, Geld und Geschmack sehr weit gebracht haben. Was Liebe, Freundschaft, Kinder und Glück angeht, ist jedoch alles Fassade, die im Verlauf dieses in schwarz-weiß gedrehten, temporeichen Films ganz schnell zerbröckelt. Und zwar bei Leuten, die sich auf ihr liberales Denken, ihren Atheismus, ihren Zynismus und ihre coole Haltung enorm etwas einbilden.

Ein in der Grundanlage etwas altmodisch anmutender (man denkt sofort an Strindberg oder Tennessee Williams), aber von den sagenhaft guten Schauspielern getragener Film, dessen Story einige überraschende Wendungen nimmt.

 

The Party GB 2017, 71 Min., R: Sally Potter, D: Kristin Scott Thomas (Janet), Timothy Spall (Bill), Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Cherry Jones, Emily Mortimer, Cillian Murphy

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