Kommentar

„The Player“ von Bert Rebhandl

Letzte Woche hätte ich beim Filmfestival in Toronto beinahe ein Promiselfie gemacht.

Bert Rebhandl

Aber ­Kathryn Hahn lief mir in einer so unerwarteten Situation über den Weg, nämlich mitten auf der ­Straße und ohne jeden Begleitschutz, dass ich zu spät reagierte. Schade, denn von ihr ein Souvenir zu haben, das hätte mich wirklich gefreut. Sie ist zwar kein Superstar wie Nicole Kidman, die auch in Toronto war. Aber für mich zählt sie zu den großen Darstellerinnen der Gegenwart, nicht so sehr im Kino, sondern vor ­allem im Fernsehen.
Aber was heißt hier Fernsehen? Kathryn Hahn spielt in der Serie „Transparent“, und zuletzt war sie auch in der Pilotfolge zu „I Love Dick“ zu sehen, einem besonders spannenden Projekt auf Grund­lage eines Buches der Künstlerin Chris Kraus. Amazon lässt gerade das Publikum darüber abstimmen, ob von „I Love Dick“ weitere Folgen produziert werden sollen. Das Filmbusiness hat sich durch die neuen „Player“, wie man das betriebswirtschaftlich gern nennt, stark verändert. Einer der besten Filme, die ich in Toronto gesehen habe, kommt auch aus dem Haus Amazon: „Manchester by the Sea“ von Kenneth Lonergan zeigt, wie das mit dem Video-on-Demand verbundene Kino der Zukunft auch aussehen könnte: ein nuanciertes Drama mit tollen Darstellern wie Casey Affleck und Michelle Williams. Dieser Film wird auch in Deutschland ins Kino kommen, aber der Endzweck ist dann das Ende der Verwertungskette: die heimische Bibliothek im Wohnzimmer unseres digitalen Lebens.

Mehr über Cookies erfahren