Neowestern

„The Rider“ im Kino

Die Entschlossenheit, mit der der junge Mann mithilfe eines Messers den an ­seinen Kopf getackerten Verband entfernt, ist eindeutig. Brady Blackburn macht, was er will. Die Länge der noch frischen Operationsnarbe besagt aber auch, dass mit dieser Verletzung nicht zu spaßen ist. Kann das auf Dauer gutgehen?

Foto: Weltkino

Brady Blackburn ist Rodeoreiter, seine Verletzung stammt von dem Pferd, das ihn bei seinem letzten Ritt abwarf und mit dem Huf am Kopf erwischte. Ruhe braucht Brady, aber das fällt jemandem wie ihm schwer, der in Dakota mit ­Pferden aufgewachsen ist und dessen Vorfahren schon mit Pferdezucht ihr Geld verdienten.

Für Brady ist das Reiten alles: Geld­erwerb und Leidenschaft. Ein Leben ohne Pferde ist für ihn nicht vorstellbar. Anderen Menschen beizubringen, wie sie sich auf einem mechanischen Vierbeiner verhalten müssen, um nicht abgeworfen zu werden, ist kein wirklicher Ersatz, aber selber wieder auf ein Pferd zu steigen, auch außerhalb der Rodeo-Arena, birgt für Brady enorme Gefahren. Eine plötzliche Übelkeit, eine Lähmungserscheinung in der Hand, schon stürzt er vom Pferd und wacht in einem Krankenhausbett wieder auf. Die Ansage der Ärztin ist eindeutig: Der nächste Anfall könnte tödlich sein.

„The Rider“ benötigt keine spektakulären Rodeoaufnahmen, um die Faszination, die die Menschen dieses Films teilen, deutlich zu machen, dafür genügen ihm Blicke und Berührungen. ­Besonders eindringlich eine Szene, die zeigt, wie es Brady gelingt, das ­Ver­- trauen eines Pferdes zu gewinnen, das noch nie ein Mensch geritten, sogar noch nicht einmal berührt hat.

Auch der Umgang mit der erfrischend eigensinnigen 15-jährigen Schwester Lilly und die wiederholten Besuche bei seinem Freund Lane in der Rehaklinik, wo dieser seit einem Reitunfall im Rollstuhl sitzt, sind dazu angetan, unser Bild von Männlichkeit in Frage zu ­stellen. Der Regisseurin Chloé Zhao ist mit ihrem zweiten Film, inspiriert von Erfahrungen ihres Hauptdarstellers, ein Meisterwerk der poetischen Lakonie gelungen. Hauptdarsteller Brady ­Jan­dreau (Foto) spielt quasi seine eigenen ­Erlebnisse nach, an seiner Seite: seine echten Geschwister Lilly und Tim ­Jandreau. 

The Rider USA 2017, 104 Min., R: Chloé Zhao, D: Brady Jandreau, Tim Jandreau, Lilly ­Jandreau, Start: 21.6.

 

 

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