Familiendrama

„The Salesman“ im Kino

Clever und kompliziert: Der iranische Filmemacher Asgar Farhadi bleibt sich auch in „The Salesman“ treu

Foto: 2016 PROKINO Filmverleih

Der iranische Regisseur Asghar Farhadi („Nadir und Simin – Eine ­Trennung“) ist bekannt für seine international vielfach preisgekrönten Familien- und Beziehungsdramen. Er bleibt auch mit „The Salesman“ seinem Terrain treu und erzählt von einem Paar, dessen Beziehung durch einen schwerwiegenden Zwischenfall ungewohnten Belastungen ausgesetzt wird.
Als Rana (Taraneh Alidoosti) und Emad (Shahad Hosseini) aus ihrer plötzlich unbewohnbar gewordenen Wohnung ausziehen müssen, vermittelt ihnen ein Bekannter, mit dem sie zusammen an einer Inszenierung von Arthur Millers Bühnenstück „Tod eines Handlungsreisenden“ arbeiten, eine neue Bleibe, deren Vormieterin ziemlich oft wechselnden Männerbesuch gehabt zu haben scheint. Dies offenbart sich in einem dramatischen Ereignis: Als Rana eines Tages in Erwartung ihres Mannes die Haustür offen lässt und derweil eine Dusche nimmt, dringt ein Fremder in die Wohnung ein und bedrängt sie im Bad.
Das Ausmaß dieses Übergriffs lässt der Film offen, doch er verändert die Beziehung des Paares: Unsicherheit, Hilf-und Sprachlosigkeit machen sich breit. Noch komplizierter wird es, als Emad den ältlichen Missetäter schließlich ausfindig macht: Soll er ihn vor dessen Familie bloßstellen, die ihn nur als vermeintlich liebevollen Ehemann und Vater kennt?
Niemand kann aus seiner Haut: „The Salesman“ ist spürbar der Film eines ursprünglich vom Theater kommenden Drehbuchautors und ­erinnert an ein dreiaktiges Bühnenstück, in dem sich Themen wie Sprachlosigkeit, Lebenslügen und Fragen des Selbstwertgefühl in den Geschichten des jungen und des alten Paares gegenseitig kommentieren, während sie ihrerseits noch einmal in „Tod eines Handlungsreisenden“ gespiegelt werden, das zwischendurch immer wieder geprobt wird. Das ist extrem clever konstruiert – und zugleich mit dem sich ständig verändernden Fokus des Dramas ein wenig zu clever und kompliziert, um emotional wirklich zu packen. Uneingeschränkte Bewunderung kann man hingegen für die schauspielerischen Leistungen von Alidoosti und Husseini aufbringen, die alle Nuancen einer sich verändernden Beziehung außerordentlich subtil zum Ausdruck bringen. Hosseini gewann dafür den Darstellerpreis in Cannes. 

Forushande (OT) IR/F 2016, 125 Min., R: Asghar Farhadi, D: Shahad Hosseini, Taraneh Alidoosti, Babak Karimi, Start: 2.2.

Bewertungspunkte3

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