Drama

„The Wounded Angel“ im Kino

Vier Jugendliche in Kasachstan, vier Kapitel, vier Stichworte

Foto: Deja Vu Filmverleih
Foto: Deja Vu Filmverleih

Emir Baigazin, der schon mit seinem Debüt „Harmony Lessons“ bei der Berlinale war, erzählt in seinem zweiten Film „The Wounded Angel“ erneut von Schicksal und Freiheit in dem riesigen zentral­asiatischen Land, das die Freiheit nach dem Kollaps der Sowjet­union nicht wirklich eingelöst hat. Zharas hadert mit seinem Vater, der aus dem Gefängnis zurückkommt; „Küken“ soll seine Stimme für einen Gesangswettbewerb schonen, kriegt aber einen Husten nicht los; Zhaba sammelt Metall; Aslan verzweifelt an einer ungewollten Schwangerschaft seiner Freundin.
In präzise komponierten Bildern, die Raum für surreale Abschweifungen und neurotische Projektionen lassen, zeichnet Baigazin das Bild eines Landes, das keine Zeit hatte (und seinen Menschen keine Zeit ließ), in Ruhe erwachsen zu werden. Der Titel verweist auf ein Bild des finnischen Malers Hugo Simberg, eine symbolistische Version des Sturzes aus dem Paradies, den die Jungen auf ihre eigene Art nachempfinden: beim Schnüffeln von Klebstoff, der Droge des Straßenkinder. Dank Emir Baigazin hat das ländliche Kasachstan einen großen Chronisten gefunden, und das Weltkino eine neue Stimme.

The Wounded Angel KAZ/D/F 2016, 113 Min., R: Emir Baigazin, D: Nurlybek Saktaganov, Madiyar Arripbay, Madiyar Nazarov, Start: 3.11.

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