Echtzeit-Romanze

„Théo & Hugo“ im Kino

Liebe oder nur Sex? Das fragen sich „Théo & Hugo“

Théo Und Hugo
Foto: Salzgeber

Ein in rotes Licht getauchter Sexclub, wummernder Kirmestechno – und eine ungewöhnlich lange Sexszene. Fast 20 Minuten dauert der Prolog zur Geschichte, die so charmant wie glaubhaft vermittelt, wie Hugo und Théo sich ineinander verlieben. Erfrischend, wie die klassisch heteronormative Dramaturgie ­umgedreht wird: Erst Sex, dann lernt man sich (vielleicht) kennen.
Als die beiden aus dem Keller auftauchen, lassen sie sich glücklich durch ein sympathisch abgerocktes, nächtliches Paris treiben. Hugo redet offenherzig von Liebe und davon, dass sie mit ihrem Sex zum Weltfrieden beigetragen haben. Bald jedoch stellt sich heraus: Théo hat im Überschwang auf ­Kondome verzichtet – und Hugo ist HIV-positiv. Die beiden finden sich in der Notaufnahme wieder.
Der in Echtzeit erzählte Film erinnert an ­Andrew Haighs dokumentarisch angehauchtes Liebesdrama „Weekend“, aber auch an den schwärmerischeren „Before Sunrise“ von Richard Linklater – und endet um 6 Uhr morgens. Dass die Geschichte von Théo und Hugo über die Nacht hinaus weitergeht, darf man zumindest hoffen.
Zeit, ein bisschen herumzuspinnen, wie es mit ihnen weitergehen könnte, finden auch die beiden: 20 Jahre zusammenbleiben und sich dann trennen, das könnte es sein! Das zwinkert sich das Regie-Duo Olivier Ducastel und Jacques Martineau wohl selbst zu. Die waren lange ein Paar. Das gute Miteinander muss nicht vorbei sein. Dieser empathische Film ist ein sehenswerter Beleg.

Théo et Hugo dans le même bateau (OT) F 2016, 97 Min., R: Olivier Ducastel, Jacques Marti­neau, D: Geoffrey Couët, François Nambot, Start: 20.10.

Bewertungspunkte2

Mehr über Cookies erfahren