Kino & Stream

„Thor“ im Kino

Thor

Rumms! Mit viel Getöse fällt Thor (Chris Hemsworth), seines Zeichens nordischer Donnergott schlichten Gemüts, der soeben vom Vater Odin seiner Kraft beraubt und aus Asgard verbannt wurde, direkt vors Auto eines irdischen Wissenschaftlerteams, das sich der Erforschung ungeklärter Himmelserscheinungen verschrieben hat. Und die beiden jungen Frauen des Teams, Jane (Natalie Portman) und Darcy (Kat Dennings), scheinen durchaus angetan von dem mysteriösen, muskulösen Hünen – auch wenn sie den verwirrten Gott zunächst einmal elektroschocken („He freaked me out!“) und kurz darauf gleich noch einmal versehentlich mit dem Auto überfahren. So beginnt der wörtlich genommene Zusammenstoß der Kulturen in der vom britischen Shakespeare-Experten Kenneth Branagh inszenierten Marvel-Comic-Verfilmung „Thor“, und den einmal angeschlagenen vergnüglichen Komödien-Ton hält der Film in den „irdischen“ Szenen des Götterdramas konsequent durch. Die Szenen und Dialoge bleiben stets amüsant (da glaubt das FBI dann auch schon mal, im Donnergott einen Terroristen aus Afghanistan zu sehen), ebenso wie die kleinen Gags am Rande, etwa wenn Thors berühmter Hammer in einem Felsblock eingeschweißt mitten in der Wüste erscheint und die Einheimischen zu einer Art Excalibur-Wettbewerb veranlasst, komplett mit Barbecue und Volksfeststimmung.  
Als Gegengewicht dienen die deutlich ernsteren Ereignisse in der Götterwelt von Asgard, einem ungemütlich goldenen Art-Deco-
Albtraum
, wo der intrigenreiche Kampf der Brüder Thor und Loki (Tom Hiddleston) um die Nachfolge Odins in seiner Komplexität durchaus die Züge eines Königsdramas von Shakespeare annimmt. Hier wirft Anthony Hopkins als Odin sein nicht unerhebliches schauspielerisches Gewicht in die Waagschale, und Loki besitzt für einen Comic-Schurken einen vielschichtigeren Charakter als zunächst angenommen. Natürlich dürfen auch die computergenerierten Schlacht-Spektakel nicht fehlen, doch im Drunter und Drüber ohne Verstand und Orientierung ermüdet „Thor“ noch am ehesten. Allerdings gibt es auch hier ein analoges Gegenstück: eine ordentlich altmodische Prügelei beim Versuch Thors, an den mittlerweile vom FBI umstellten Hammer zu kommen.
Zwar lassen sich in „Thor“ keine intellektuellen Höhenflüge konstatieren, der Film besitzt weder große Prätentionen noch Doppelbödigkeit, aber das Jonglieren mit den drei Bällen Komödie, Drama und Spektakel gelingt Branagh allemal. Das Spiel bleibt im Gleichgewicht, zwei vergnügliche Stunden lang.

Text: Lars Penning

Foto: Zade Rosenthal

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Thor“ im Kino in Berlin

Thor, USA 2011; Regie: Kenneth Branagh; Darsteller: Chris Hemsworth (Thor), Natalie Portman (Jane Foster), Anthony Hopkins (Odin); 118 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 28. April

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Kenneth Branagh

Mehr über Cookies erfahren