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Thriller mit Brad Pitt „Killing Them Softly“

Killing_Them_SoftlyRegen, trüber Himmel, triste Straßen. New Orleans wirkt unwirtlich. Ebenso trostlos ist das wirtschaftliche Klima in den USA 2008. Die Finanzkrise ist Hauptthema in den Nachrichten; die Präsidentschaftskandidaten McCain und Obama machen Versprechungen, die sie nicht halten können. Für die Politiker und ihr scheinheiliges Geschwätz hat der penibel arbeitende Profikiller Jackie Coogan (Brad Pitt) nur Hohn und Spott übrig. Er soll in New Orleans zwei Männer aufspüren und liquidieren, die eine unter Schirmherrschaft der Mafia organisierte Pokerrunde überfallen und die Spieler ausgeraubt haben. Die Analogien in diesem vorzüglich besetzten, systemkritischen Krimi sind offenkundig: Die Zocker repräsentieren die durch Rezession und krumme Machenschaften geschädigten Geldanleger in den USA. Damit ihr Vertrauen in die Regierung, in diesem Fall das Gangstersyndikat, wiederhergestellt wird, müssen Sündenböcke gefunden und bestraft werden. Die Unterwelt als Mikrokosmos der kapitalistischen Gesellschaft, die durch Konkurrenzkampf und Geldgier geprägt ist. Minderbemittelte (verkörpert durch die zwei erbärmlichen Räuber) und die Mittelschicht (ihr Auftraggeber) trifft es in Krisensituationen am härtesten. Drastisch vor Augen geführt wird das, wenn zwei Auftragsschläger einen kleinen Ganoven krankenhausreif prügeln.

Am meisten aber beeindrucken die darstellerischen Leistungen in den Dialogszenen, wobei Pitt sich unaufdringlich ins Ensemblespiel einfügt. Es geht mehr um die Persönlichkeit und die Haltung als um die Handlungen der Protagonisten. Besonders eindringlich mit nuancierter Mimik verkörpert James Gandolfini (bekannt als TV-Mafioso Tony Soprano) einen gebrochenen Mordprofi mit Burn-out-Syndrom, der Versagensängste und den Schmerz über den Verlust seiner Ehefrau mit Alkohol betäubt. Die eigene Selbstverachtung projiziert er aggressiv auf andere. Sein überlegen auftretender Berufskollege Coogan nimmt die schnöde Welt so, wie sie ist, wirft in prekärer Lage eine Pille ein und reagiert mit Sarkasmus: Amerika sei keine geeinte Nation, sondern „bloß ein Geschäftsunternehmen“.   

Text: Ralph Umard

Foto: Melinda Sue Gordon/2011 Cogans Productions LLC

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: Killing them softly


Killing them softly USA 2012; Regie: Andrew Dominik; Darsteller: Brad Pitt (Jackie Coogan), James Gandolfini (Mickey), Ray Liotta (Markie Trattman); 97 Minuten; FSK 16; Kinostart: 29. November

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