Buddymovie

„Tigermilch“ im Kino

Identifikations­figuren? Die Romanverfilmung „Tigermilch“ biedert sich anFoto: Constantin Film

Sie sind 14 Jahre alt, beste Freundinnen und haben nichts als Blödsinn im Kopf. Sie trinken ein schlimmes Gebräu aus Maracujasaft, Milch und Weinbrand – die titelgebende Tigermilch –, sie finden alles scheiße und sind rotzfrech. Nach der Schule zocken sie auf dem Babystrich die doofen Freier ab – und sie träumen von Jungs und vom Aufbruch ins Leben. Aber der Alltag in der Plattenbausiedlung hält für die Berlinerin Nini und die Irakerin Jameelah keinen Glamour bereit. Stattdessen aber Konflikte zwischen den Ethnien, Abschiebedrohung, Krach mit den ­Eltern, Ehrenmord und Liebeskummer. Alles hat Platz in „Tigermilch“, Ute Wielands Verfilmung des gleichnamigen Jugendromans von Stefanie de Velasco. Doch nichts davon entwickelt echte Dringlichkeit, denn allzusehr ist der Film damit beschäftigt, sich in Gestus und Ton anzubiedern an die in sogenannten Problembezirken Heranwachsenden.

Im Zuge dessen tritt „Tigermilch“ dem Nuttenschick, der Pornografisierung der Wahrnehmung sowie jugendlicher Party- und Konsumgeilheit mit einer bestürzend affirmativen Haltung gegenüber. Es drängt sich die Frage auf, ob Nini und Jameelah wirklich als Identifikationsangebote für ein junges Publikum gedacht sind? Oder ob sie in ihrer Klischeehaftigkeit nicht lediglich als Stichwortgeber einer einerseits überdramatisiert in Szene gesetzten, andererseits unterkomplex geschriebenen Multi-Kulti-Geschichte dienen? In jedem Fall rennt „Tigermilch“, den Auftrag der Verständnisbildung für Migrantenschicksale fest im Blick, mit Schmackes gegen die Wand.

Tigermilch D 2017, 106 Min., R: Ute Wieland, D: Flora Li Thiemann, Emily Kusche, Narges Rashidi, Start: 17.8.

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