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Tim Burton über seinen neuen Film „Frankenweenie“

Tim Burton

„Ich war danach ein Jahr deprimiert“, erinnert sich Burton, „aber wenigstens lernte ich, dass meine Ideen nicht so gut ins Familienprogramm passten und kehrte Disney den Rücken.“ Die Ironie, seine abendfüllende Version von „Frankenweenie“ nun Jahrzehnte später ausgerechnet unter dem Dach des Disney-Konzerns zu veröffentlichen, entgeht Burton nicht. „Mein Geschmack hat sich seit damals nicht geändert“, erläutert er schulterzuckend, „und Disney findet es immer noch merkwürdig, dass ich auf einen altmodischen Schwarzweißfilm bestehe, was uns sicher Zuschauer kosten wird. Doch in der Regel haben es meine Stoffe heute leichter beim Publikum. Was früher als freakig und zu düster galt, läuft heute als Mainstream.“ Dass Burton daran nicht ganz unschuldig ist, weiß jeder Disneyland-Besucher, der im Verkaufsshop schon mal die unzähligen „Nightmare before Christmas“-Devotionalien bestaunt hat. Eine ganze Industrie ist seit diesem Durchbruchswerk des Stop-Motion-Segments rund um Burtons Figuren entstanden, eingetragen als Warenzeichen vom spindeldürren Skelett bis zum schief grinsenden „Frankenweenie“-Hund.
Weithin vergessen scheint der Ärger rund um den „Nightmare before Christmas“-Start 1993. Damals verwehrte sich der Regisseur Henry Selick entschieden dagegen, dass Burton als Produzent der alleinige künstlerische Kredit zugesprochen wurde. In der Folge machte sich Selick selbstständig und zog viel Bewunderung für „Coraline“ auf sich. Doch im Vergleich hat Burton als Familienfilmer an der kommerziellen Front mühelos die Nase vorn, auch wenn „Frankenweenie“ in den USA nicht auf so viel nostalgische Liebe zum Monsterfilm stieß wie erhofft. Spätestens seit dem Milliarden-Dollar-Erfolg „Alice im Wunderland“ aber ist der ehemals verschrobene Autorenfilmer Tim Burton kein Außenseiter mehr, sondern personifiziertes Franchise. Ob Realfilm oder Puppenkiste – jeder Stoff ist die Fortsetzung seiner persönlichen, innig kultivierten Obsessionen, mit denen er inzwischen ein breites Publikum erreicht.

Text: Roland Huschke

Fotos: Leah Gallo / Disney Enterprises, Inc.

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Frankenweenie“ im Kino in Berlin

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