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„In Time – Deine Zeit läuft ab“ im Kino

In Time

Der 47-jährige Filmemacher Andrew Niccol mag Storyideen, die man in Hollywood „High Concept“ nennt: simple wie spektakuläre Prämissen, aus denen er durchaus sozialkritische Geschichten entwickelt. Manchmal gelingen so reizvolle Denkanstöße: Niccol erfand die „Truman Show“, die für TV-Quoten ein ganzes Leben inszeniert, beleuchtete in „Lord of War“ die Welt eines zynischen Waffenhändlers und skizzierte in „Gattaca“ eine vielleicht nicht so ferne, genmanipulierte Zukunft, in der Normalgeborene nur noch Menschen zweiter Klasse sind.
Wie „Gattaca“ zeigt auch Niccols „In Time“ eine (Parallel-)Welt, in der man nicht leben möchte. Alles bestimmend ist hier die Zeit: Niemand wird älter als 25, jede Minute mehr muss man sich erarbeiten, auf dem linken Unterarm zeigt eine matt grün leuchtende Digitalanzeige, wie viel Währung und Lebenserwartung einem bleibt. Für das Zeit-Prekariat sind das nie mehr als ein paar Stunden, sodass sich Arbeiter wie Will Salas (Justin Timberlake) nur mit ihren wenigen, vertickenden Minuten abmühen. Zeit ist Geld – macht Andrew Niccol daraus ein stilisiertes SciFi-Drama, eine Satire über Kapitalismus, über Haben und Sein? Leider nicht. Immer wieder kokettiert er mit den Möglichkeiten seiner Geschichte, doch aus der Ausgangssituation des lebensmüden Playboys, der Will sein Jahrhundert schenkt und dann stirbt, wird doch nur ein etwas banaler, zunehmend verworrener Thriller.
Wills kurzem sozialen Aufstieg folgt bald eine falsche Mordanklage. Er entführt kurzerhand eine Tochter aus bestem Hause (Amanda Seyfried als Manga-Püppchen), ein mürber Zeit-Wächter (Cillian Murphy) und gierige Ganoven sind hinter ihnen her. „In Time“ soll Gesellschaftskritik und Mainstream-Spektakel zugleich sein, das Ergebnis ist absichtsvoll, eher humorlos und verwendet nicht viel Zeit (!) auf ernsthafte Grübeleien. Niccols Drehbuch und halbherzige Umsetzung stehen so auch dem Unterhaltungswert im Weg: Wenn selbst der sonst so charismatische Justin Timberlake kaum Strahlkraft entwickeln kann, muss doch etwas schiefgelaufen sein.

Text: Thomas Klein

Foto: 2011 Twentieth Century Fox

tip-Bewertung: Zwiespältig

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In Time – Deine Zeit läuft ab (In Time), USA 2011; Regie: Andrew Niccol; Darsteller: Justin Timberlake (Will Salas), Amanda Seyfried (Sylvia Weis), Cillian Murphy (Raymond Leon); 100 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 1. Dezember

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