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Dokumentarfilm

„Time Trial – David Millars letztes Rennen“ im Kino

Die Sucht nach der Qual

Ungeachtet der seit Jahrzehnten schwelenden Doping-Problematik sind Profi-Radrennen ein spannender Sport. Zumindest wenn man als Zuschauer die entsprechende Geduld mitbringt. Erst wenn man bereit ist, dem Geschehen über Stunden zu folgen, versteht man die Taktiken der Mannschaften – dann wird es interessant. Aber warum tun sich die Radrennfahrer diese so offensichtlich körperlich zermürbende Quälerei eigentlich an?

Foto: Mindjazz Pictures

„Time Trial“, ein essayistisches, immersive Filmtechniken nutzendes Porträt des schottischen Radrennfahrers David Millar, versucht sich der Beantwortung dieser Frage anzunähern. Millar fuhr Profirennen von 1997 bis 2014, war einer der besten Zeitfahrer seiner Generation, gewann Etappen bei der Tour de France. Und er war wie die meisten Spitzenfahrer der Zeit ein – immerhin reuiger – Dopingsünder. Eine ganz normale, erfolgreiche Radsportkarriere.

Die Doku begleitet ihn hautnah durch seine letzte Saison: Millar ist 37 Jahre alt und sich darüber im Klaren, dass er nicht mehr stark genug für die Profirennen ist. Die Schinderei ist in den Bildern geradezu greifbar. Trotzdem macht er weiter. Vielleicht, um noch einmal den Energieschub eines ­erfolgreichen Ausreißversuchs zu spüren: „Es ist, als hätte man dann die ganze Stadt für sich allein.“
Am Ende stellt ihn sein Team nicht mehr für die Tour de France auf, zu schlecht waren die Platzierungen im Vorfeld. Eigentlich wollte er nur ein einziges Mal an der Tour de France teilnehmen, sagt Millar, das wäre immer sein Traum gewesen. Als es mit der 13. Teilnahme nicht klappt, fließen bittere Tränen der Enttäuschung. Es ist eine Sucht. 

Time Trial, GB 2017, 81 Min., R: Finlay Pretsell, Start: 5.7.

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