Neuverfilmung

„Timm Thaler“ im Kino

Ein Angebot, dass man nicht ablehnen kann: Die Neufassung des Märchens um „Timm Thaler“ ist Andreas Dresen ein wenig zu opulent geraten

Foto: 2016 Constantin Film Verleih/ Gordon Mühle
Foto: 2016 Constantin Film Verleih/ Gordon Mühle

Menschen einer bestimmten Altersstufe werden mit „Timm Thaler“ ein Fernsehereignis ihrer Kindheit verbinden, die 13-teilige Serie, die das ZDF an Weihnachten 1979 ausstrahlte, mit Thomas „Tommi“ Ohrner („Manni, der Libero“) in der Titelrolle und dem unvergessenen Horst Frank als ­dämonischem Baron Lefuet.
Timm ist arm dran, seine Mutter ist schon lange tot, und nun ist auch noch sein Vater bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen. Kein Trost ist die zweite Frau des Vaters. Sie erfüllt alle Kriterien der klassischen bösen Stiefmutter – mit ihrem Sohn gibt sie ein veritables Schmarotzer- und Ausbeuterduo ab. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Timm nach erstem Zögern ein verlockendes Angebot annimmt, dass ihm ein merkwürdiger Fremder auf der Rennbahn macht. Er würde künftig jede Wette gewinnen, wenn er ihm dafür sein Lachen verkaufe.
Doch ohne sein Lachen wird Tim zutiefst ­unglücklich und stürzt später auch noch ­seine Freundin Ida ins Unglück, denn mit einer Lüge gelingt es dem Baron, ihr ebenfalls einer Teil ihrer Persönlichkeit abzukaufen.
Wird es Tim und seinen Freunden gelingen, ­Baron Lefuet zu überlisten, diesen Herren über ein Wirtschaftsimperium, der Timms Lachen gewinnbringend vermarkten will? Schließlich haben sie es mit einem Gegner zu tun, der sich immer mehr als wahrhaft teuflisch herausstellt (man lese nur seinen Namen rückwärts).
Wo die Fernsehserie den gleichnamigen Roman von James Krüss, im Original in den 20er-Jahren spielend, in die Gegenwart versetzte, da siedelt sie der Film in einem zeitlosen Märchenland an, in dem Kostüme und Ausstattung zwar an die 20er-Jahre erinnern, manche Accessoires aber auch an die ­nähere Vergangenheit.
Ein knallbuntes Märchen ist nicht unbedingt der Film, den man von Arthouse-Spezialist Andreas Dresen („Sommer vorm Balkon“, „Halt auf freier Strecke“) erwarten durfte. Es hat ihm offensichtlich Vergnügen bereitet, einmal mit einem üppigen Budget zu drehen. Tommi Ohrner hat einen Gastauftritt als Hotelconcierge, und einer Reihe von Dresens Stammschauspielern begegnet man auch hier: Axel Prahl und ­Andreas Schmidt sorgen für komische Momente als tollpatschige Helfershelfer des Bösen, noch unterstrichen dadurch, dass Schmidt in Frauen­kleidern steckt. Wie kürzlich „Das kalte Herz“ ist auch dies ein Märchen mit ­einer betonten Moral, auch wenn die Opulenz der Ausstattung sich immer wieder zu sehr in den Vordergrund schiebt.

Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen D 2016, 102 Min., R: Andreas Dresen, D: Arved Friese, Justus von Dohnányi, Axel Prahl, Andreas Schmidt, Start: 2.2.

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