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tip-Preview von „Tabu“ im Kino Hackesche Höfe

Tabu

Der Film des Jahres 2012: Der portugiesische Regisseur Miguel Gomes wird seit seiner delirierenden Musik-Doku-Fiktion „Aquele querido mes de agosto“ (2008), die alle Genre-Grenzen ignorierte, von der internationalen Kritik gefeiert. Sein jüngstes Werk „Tabu“, ausgezeichnet auf der diesjährigen Berlinale, war für viele der Höhepunkt des Festivals – verspielt, experimentierfreudig, auf jeder Ebene überraschend und dabei auch sehr berührend. „Tabu“ ist Komödie, Melodram, (Post-)Kolonialdrama mit allerlei lakonischen Brüchen in der Erzählung. Aus der Gegenwart Lissabons springt Gomes in eine portugiesische Kolonie der 60er-Jahre, in der sich eine fatale Liebesgeschichte entspinnt. Auch auf der Tonebene überrascht „Tabu“ in seiner zweiten Hälfte: Hier sind alle erdenklichen Naturgeräusche oder auch Soundbits von madagassischem Yйyй-Pop zu hören, aber keiner der gesprochenen Dialoge. „Tabu“ ist ein wunderbar doppeldeutiger Film, in dem sich Trauer und Freude, Tod und Geburtswehen ebenso in einem Bild überlagern können wie die vergangenen und gegenwärtigen Vorstellungen der Kolonialwelt, die Gomes aus den Köpfen seiner Helden holt. Wir zeigen den Film (Kinostart: 20.12.) vorab an unserem tip-Jour-Fixe am Mittwoch, dem 5. Dezember, im Kino Hackesche Höfe.

Text: Robert Weixlbaumer

Foto: Real Fiction Filmverleih

Tabu (OmU), Mi 5.12., 20 Uhr, Kino Hackesche Höfe

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