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„Tödliche Bekenntnisse“ von Jacques Audiard

Tödliche Bekenntnisse

Carla ist eine Frau vom Typ „graue Maus“, sie hat etwas Verhuschtes und Linkisches und wird von ihren Arbeitskollegen nicht nur verspottet, sondern auch gemobbt. Was die nicht ahnen: dass Carla ihre Schwerhörigkeit durch die Fähigkeit, von den Lippen zu lesen, kompensiert. Eines Tages wird ihr als Assistent Paul zur Seite gestellt. Der kommt gerade aus dem Knast und wittert die Chance, Carlas Fähigkeit für seine kriminellen Aktivitäten zu nutzen. Wie in seinem letzten Film „Der Geschmack von Rost und Knochen“ geht es Jacques Audiard auch hier um ein ungleiches Paar, das zunächst eine Zweckgemeinschaft bildet. „Sur mes lиvres“ drehte Audiard 2001, er lief hierzulande 2002 auf der Berlinale, war danach aber weder im Kino noch im Fernsehen zu erleben – deutsche Kinogänger mussten bis zu Audiards vierter Regiearbeit, „Der wilde Schlag meines Herzens“, warten, bis sie diesen Filmemacher entdecken konnten. Beide Filme hat Audiard übrigens zusammen mit dem Romancier Tonino Benacquista verfasst; die derzeit in den Kinos laufende Mafiakomödie „Malavita“ basiert auf dessen gleichnamigem Roman.
„Sur mes lиvres“ entwickelt sich erst langsam von einer Geschichte über Mobbing im Büro zu kriminellen Verstrickungen, insofern hat der deutsche Titel „Tödliche Bekenntnisse“ auch etwas irreführend Reißerisches. Aber wie Vincent Cassel und Emmanuelle Devos ihre Körperlichkeit hier überwiegend in engen Räumen entfalten, ist faszinierend.

Text: Frank Arnold
 
tip-Bewertung: Sehenswert

Tödliche Bekenntnisse (Sur mes lиvres), Frankreich 2001; Regie: Jacques Audiard; Darsteller. Emmanuelle Devos, Vincent Cassel, Olivier Gourmet; 110 Minuten, F/D, optionale deutsche UT; Extras: Interviews mit Ko-Autor Tonino Benacquista (20 Min.) und Komponist Alexandre Desplat (14 Min.). Erschienen bei Pierrot le Fou

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