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„Tödliches Kommando“ von Kathryn Bigelow im Kino

Den Irrsinn des Krieges können nur jene ertragen, die auch dessen Logik annehmen. In Kathryn Bigelows jüngstem Film „Tödliches Kommando“ geht eine Gruppe von Männern in schweren Schutzanzügen im schweißtreibenden Bagdad ans Werk, als wollten sie diese These bestätigen. Ein US-Eliteteam steht im Zentrum dieser Geschichte, eine Crew uniformierter Wahnsinniger, die im Krieg gelernt haben, ihre Todesangst in Lebens­energie zu verwandeln. Ihr Job: das Entschärfen von Bomben an öffentlichen Plätzen.
Der New Yorker Journalist Mark Boal hat sein Drehbuch zu „The Hurt Locker“ aus eigenen Erfahrungen destilliert: Er war 2004 mit einer auf Sprengstoff spezialisierten Einheit im Irak stationiert. Die Regisseurin für diesen Stoff ist gut gewählt: Sehr zu Recht gilt Kathryn Bigelow, die mit „The Hurt Locker“ ihren erst achten Spielfilm in fast 30 Jahren vorlegt, als Hollywoods einzige Fachfrau für hartes Genrekino – Arbeiten wie der Vampirfilm „Near Dark“ (1987), die Serienkillerfabel „Blue Steel“ (1989) und der Sci-Fi-Actioner „Strange Days“ (1995) zeugen davon. Bigelow versteht es nun erneut, die unvergänglichen Mechaniken des Genrefilms (der rote Draht oder der blaue?) mit politischer Aktualität kurzzu­schlie­ßen. Mit fahriger Kamera verfolgt sie die nervenzerrüttenden Einsätze des Teams: Ihr Film handle von der Angst, stellt Bigelow selbst fest: Die Angst habe unverdienterweise einen schlechten Ruf, dabei sei nur sie in der Lage, die Dinge zu klären.
Ein perfekt besetztes Trio aus wenig bekannten US-Darstellern trägt den Film: Jeremy Renner glänzt neben Anthony Mackie und Brian Geraghty als wilder Kerl, den die Lust an der Angst auf jede neue Bombe zutreibt; renommiertere Mimen wie Guy Pearce, David Morse und Ralph Fiennes spielen Nebenrollen. „The Hurt Locker“ ist ein Männerfilm, aber einer, der nicht bloß gedankenlos als Testosteronspektakel an den Kassen reüssieren will – Bigelows Arbeit handelt, in jedem Sinn, von der Verletzlichkeit der Männer.
Dabei beschönigt sie den Einsatz des US-Militärs keineswegs: Sie zeigt das relative Desinteresse ihrer Helden an der lokalen Bevölkerung und das Dilemma, in dem sie in der Fremde zu agieren haben. „Krieg ist eine Droge“, heißt es gleich am Anfang des Films. Ihre Suchtwirkung ist, wie dieser Film zeigt, unbestreitbar – und nicht mehr loszuwerden: Diese Männer, auch jene, die am Leben bleiben, kehren nicht mehr heim. Sie bleiben im irakischen Fegefeuer hängen.

Text: Stefan Grissemann

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Tödliches Kommando“ im Kino in Berlin

Tödliches Kommando (The Hurt Locker), USA 2008; Regie: Kathryn Bigelow; Darsteller: Jeremy Renner (Staff Sergeant William James),
Anthony Mackie (Sergeant JT Sanborn), Guy Pearce (Sergeant Matt Thompson); Farbe, 131 Minuten

Kinostart: 13. August

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