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Tom Hanks im Drama „Captain Phillips“

Captain_Philips_05_c_2013-SonyPicturesReleasingGmbHDas Containerschiff ist riesig, das Boot, von dem es beschossen wird, so klein, dass es wie ein Witz anmutet. Aber man kennt ja die Geschichte von David und Goliath. „Captain Phillips“ erzählt nach einer wahren Begebenheit von moderner Piraterie: „Eine Kriminalgeschichte an den entfernten Rändern der globalen Ökonomie“, nennt Regisseur Paul Greengrass seinen Film im Interview. Das habe ihn fasziniert an dieser wahren Geschichte, die in den USA jeder kennt, weil sie dort 2008 „für fünf Tage 24 Stunden täglich die Nachrichten beherrschte“. Der Film versucht eine Balance zwischen Nüchternheit und Dramatik zu finden und erzählt vor allem von einem Duell zweier Kapitäne: Auf der einen Seite Richard Phillips (Tom Hanks), Kapitän eines Containerschiffes, auf der anderen Seite der junge Somali Muse (Barkhad Abdi), der Anführer jener Piraten, die das Schiff in ihre Gewalt bringen und ein hohes Lösegeld fordern.

„Einige meiner Filme spielen in der Welt nach dem 11. September“, erklärt Greengrass, „und sie erkunden sie aus dem Blickwinkel der nationalen Sicherheit. Entsprechend ist es eine Welt voller Paranoia, Furcht und Misstrauen. ‚Captain Phillips‘ scheint mir hingegen viel mehr in der Gegenwart, wenn nicht in der Zukunft verankert: eine Welt der globalen Ökonomie, eine Welt von Gewinnern und Verlierern, von Leuten, die alles haben, und von Habenichtsen. Überall, wo es explosives Wachstum gibt, ergibt sich diese Situation.“

Ein wirkliches Gleichgewicht zwischen dem amerikanischen Kapitän und den somalischen Piraten kann der Film allerdings nicht vermitteln: Was wiegt die Erwähnung, westliche Unternehmen hätten die Fanggründe der somalischen Fischer leer gefischt und würden diese deshalb zwingen, ihren Lebensunterhalt als Piraten zu bestreiten, gegen das Bild der Bedrohung einer Geisel mit dem Revolver?

Allerdings tut sich hinter den beiden Kontrahenten noch eine andere Welt auf: „Die Räderwerke, die unsere Ökonomie in Gang halten“, nennt Greengrass sie. „Globale Aktivitäten treiben die Containerschiffe an, globale Aktivitäten treiben die Piratenbosse an, Geld zu fordern. Der Zuschauer soll fühlen, dass es machtvollere Bosse anderswo gibt. Die sitzen in Kenia, in Nigeria, aber auch in Europa, das sind Gangster, das ist internationales organisiertes Verbrechen – aber man sieht sie nicht. Die Männer, die das Schiff attackieren, sieht man ebenfalls nicht, sie sind nur bezahlte Arbeiter, die etwas riskieren, die sich einen Namen machen wollen mit dem großen Coup.“

captain_phillips_startDavon hätte man gern mehr erfahren, aber das ist von einem Film dieser Größenordnung wohl nicht zu erwarten. Genügend Nachdenkenswertes enthält er dennoch, nicht zuletzt die Tatsache, dass die Piraten sich über die westliche Kultur definieren, die sie attackieren: Der verkantet gehaltene Revolver im Gangsta-Style wirkt dabei eindringlicher als die Äußerung, in Amerika hätten sie ihr Geld auf ehrliche Weise verdienen können.

Text: Frank Arnold

Foto:2013 Sony Pictures Releasing GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Captain Phillips“ im Kino in Berlin

Captain Phillips USA 2013; Regie: Paul Greengrass; Darsteller: Tom Hanks (Captain Richard Phillips), Barkhad Abdi (Muse), Catherine
Keener (Andrea Phillips); 134 Minuten; FSK 12

Kinostart: 14. November

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