Drama

„Toro“ im Kino

Menschen wie Strandgut. Ziehen in ein fremdes Land und träumen von einem besseren Leben. So wie Piotr aus Polen. Er ist ein bulliger Typ, ein Kämpfer. Die meisten nennen ihn Toro

Foto: Missing Films

Nach zehn Jahren Randexistenz in einer namenlosen deutschen Großstadt will er endlich seinen Plan verwirklichen: eine eigene Boxschule in der Heimat. Dafür spart er eisern all das Geld von jenen Frauen, die ihn zu ihrem Vergnügen in ein Hotelzimmer bestellen. Seinen Spanisch sprechenden Freund Victor will er mitnehmen. Doch der ist eher jemand, der sich wegträumt, immer mehr den Drogen verfällt und dafür auf den Strich geht. Beide tragen eine Narbe, die von ihren Vätern stammt. Beide sind mehr als einmal vor etwas davon gerannt.

Der Starke und der Schwache – offiziell sind sie kein Liebespaar. Festgezurrt in ihren Rollen, passen sie immerhin aufeinander auf. Doch dann zieht unangemeldet Emilia bei ihrem Bruder Victor ein und stört das fragile Beziehungsgeflecht. Und: Naiv wie sie ist, wird sie Opfer von Drogendealern, denen Victor Geld schuldet.

Freundschaft und Verrat, das Überleben in der Fremde und ein lang verleugnetes Coming out: Martin Hawie türmt in seinem Abschlussfilm an der Kölner Kunsthochschule für Medien klassische Konflikte auf. Stringent erzählt „Toro“ seine Geschichte in kompromisslosen Schwarz-Weiß-Bildern. Sie ducken sich nicht weg bei Erniedrigungen und Gewalt, doch wenigstens der Ton blendet gnädig deren Spitzen aus. Cristina Moles Kaupp

Toro D 2015, 84 Min., R: Martin Hawie, D: Paul Wollin, Miguel Dagger, Leni Speidel, Start: 27.4.

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