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„Toy Story 3“ im Kino

Auf die Frage nach dem Geheimnis dieses Reizes, der für Acht- wie für 80-Jährige gleichermaßen zu gelten scheint, antwortet Lee Unkrich: „Wir haben stets Filme gedreht, die wir als Filmemacher selbst gern sehen würden. Anschließend stellen wir sicher, dass sie auch für Kinder geeignet sind. Wir machen unsere Filme nicht für ein spezielles Publikum. Wir respektieren vor allem die emotionale Intelligenz von Kindern, die durchaus in der Lage sind, schwierige Themen in Filmen zu verarbeiten. ‚Toy Story 3‘ hat einige sehr heftige Momente, aber ich glaube, da gibt es nichts, mit dem Kinder nicht fertig werden könnten. Natürlich respektieren wir auch die Erwachsenen. Wir sind nicht auf billige Lacher aus, sondern erzählen stattdessen gehaltvolle, sehr wahrhaftige Geschichten.“ Auch Darla K. Anderson bestätigt diese Herangehensweise: „Das große Geheimnis besteht darin, mit Kindern nicht von oben herab zu reden. Wir glauben daran, dass sie komplexe Dinge verstehen, komplexen Geschichten folgen können. Und das können sie auch.
Diesem Gedanken folgend, befinden sich die Pixar-Filmemacher in einer Elite-Liga, in der sonst nur noch der große japanische Animationsregisseur Hayao Miyazaki mitspielt. Nicht von ungefähr hat deshalb eine Totoro-Figur einen Gastauftritt in „Toy Story 3“. „Miyazakis Filme sind ähnlich“, meint Unkrich denn auch. „Er versucht nicht, seine Filme auf ein ganz bestimmtes Publikum auszurichten. Er macht nur Filme, für die er sich selbst begeistern kann und drückt darin seine ganze Fantasie aus. Das versuchen wir auch. Es gibt eine große Freundschaft zwischen Pixar und Studio Ghibli, vor allem zwischen John Lasseter und Miyazaki.“
Toy Story 3Seine Rolle als Regisseur sieht Unkrich dennoch anders als der eher diktatorische Miyazaki: „Bei uns ist der Arbeitsprozess stark auf die Zusammenarbeit ausgerichtet. Miyazaki gebietet über jeden Zentimeter auf der Leinwand, seine Filme stammen ausschließlich von ihm allein. Bei uns ist das anders. Ich bin oftmals vor allem eine Art Schiedsrichter: Ich habe eine Menge Leute um mich herum, die mir ständig neue Ideen präsentieren. Und ich muss entscheiden, welche davon in den Film kommen. Und das hat meist nichts damit zu tun, was mir in dem Moment am besten gefällt, sondern damit, was die beste Wahl für den Film ist, den wir machen. Das, was man auf der Leinwand sieht, ist zwar dort, weil ich es da haben wollte, aber es repräsentiert die Arbeit von vielen sehr talentierten Leuten.“
Und diese Arbeit bedeutete im Fall von „Toy Story 3“ auch, dass man alle Figuren noch einmal von Grund auf neu entwickelte: „Unsere Software hat sich in einer Weise weiterentwickelt, dass wir die alten Dateien nicht mehr nutzen konnten“, erläutert Unkrich. „Also mussten wir von vorne anfangen. Natürlich haben wir versucht, die Figuren so ähnlich wie möglich zu machen – zugleich gab uns das aber auch die Möglichkeit, sie noch ein wenig zu verbessern. Wir gaben ihnen Details, die sie vorher nicht besaßen und konnten die Textur verbessern. Jetzt sehen die Spielzeuge wirklich aus, als seien sie aus Plastik oder Stoff, aber sie haben natürlich immer noch das alte Erscheinungsbild. Das Publikum wird diese Veränderungen vermutlich gar nicht bemerken. Aber wenn man sich den Woody aus „Toy Story 1“ und den aus „Toy Story 3“ im direkten Vergleich ansieht, dann bemerkt man, um wie viel besser er jetzt aussieht.“
Und wenn am Ende Woody und seine Freunde ein neues Zuhause in liebevollen Händen finden, dann kann man im Zuschauersaal auch schon einmal eine kleine Träne zerdrücken über diese neuen alten Helden, deren Geschichte frei nach Lee Unkrichs Motto erzählt wird: „Die Filme, die ich selbst gerne sehe, geben einem die ganze Bandbreite an Emotionen: Man hat gelacht, man hat geweint, man hatte Angst.“

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Toy Story 3“ im Kino in Berlin

Toy Story 3, USA 2010; Regie: Lee Unkrich; Stimmen: Tom Hanks (Woody), Tim Allen (Buzz Lightyear), Joan Cusack (Jessie);
103 Minuten

Kinostart: 29. Juli

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