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„Trash Humpers“ im Kino

trash_humpersZwei Herren und eine Frau mit Greisenmasken aus Latex sind die Helden von Harmony Korines jüngstem Film, dessen Titel man korrekt mit „Müllrammler“ übersetzt. Zu viel versprochen – oder eher gedroht – ist das nicht. Es werden von den Männern in Masken ungezählte Mülltonnen und viele Bäume und einmal sogar ein frei stehender Briefkasten besprungen. Die Frau mit den schwarzroten Haaren kreischt, springt und tanzt als Hexe dazu.

In ohne jeglichen Bedacht auf Eleganz aneinandergereihten Episoden ereignet sich immerzu Un- oder Merkwürdiges: eine Toilette steht auf der Wiese; ein Greis wedelt sich unter Zuhilfenahme eines Asts einen von der Palme; zwei durch Damenstrumpfmützen siamesisch verbundene Männer bereiten Pfannkuchen zu und feuern einander mit den Worten „Make it, make it, don’t fake it“ an. Ein dicker Junge im Anzug mit Krawatte und Brille wird erst als Basketballniete von den Greisen verhöhnt und drischt dann mit dem Hammer auf eine Puppe ein. Die Anmutung des Ganzen, die auf Mülltonnenplünderung verweist, ist mehr als gewollt und konkretisiert sich durch ewige Wiederkehr der Straßenrandfornikationen der White-Trash-Greise, die eine Spur der Vernichtung durch Amerikas Suburbia ziehen.

Einen ganzen Film lang feiert, mit anderen Worten, das „Es“ fröhlichen Urstand in miserabler Bildqualität. Das Medium der Wahl ist (zum Schein: „fake it, fake it, don’t make it“) VHS, mit Fehlfarben und verschmierten Kontrasten, mit „Autotracking“-Einblendungen, Bildlaufproblemen etc.: ein einziger Karneval der Barbarei in Inhalt, Medium und Form. Wenn das Gesellschaftskritik ist, dann in ihrem elementar-rohesten Zustand. Wenn es Kino ist, dann als Kunst des schlechten Geschmacks, die ihre Sehnsucht nach dem Wahren, Schönen und Guten in dessen totaler Negation verbirgt.

Text: Ekkehard Knörer

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Trash Humpers“ im Kino in Berlin

Trash Humpers USA 2009; Regie: Harmony Korine; Darsteller: Charles Ezell (Zwilling), Harmony Korine  (Hervй), Rachel Korine (Momma); 74 Minuten; FSK k.J.

Kinostart: 17. Februar

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