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„Triff die Elisabeths!“ im Kino

Das Wort drängt sich ihm förmlich auf, aber der Vermieter zögert. Auf keinen Fall will er politisch inkorrekt erscheinen, da verliert er schon lieber diese Partie Scrabble. Klingt die Vokabel nйgresse (Negerin) nicht rassistisch? Das will er der temperamentvollen, gottesfürchtigen Bonne Maman, die aus den Antillen stammt und sich für eine Woche mit ihrem Sohn und den Enkelkindern in seinem Chalet in den Alpen eingemietet hat, dann doch nicht zumuten. Schwarze Wintersportler hat es auf den hiesigen Skipisten zwar bislang noch nicht gegeben, aber als Geschäftsmann muss man ja mit der Zeit gehen.
Lucien Jean-Baptistes Fisch-auf-dem-Trockenen-Komödie über die Abenteuer einer armen Migrantenfamilie in einem mondänen Feriendomizil spielt eher tapsig als entlarvend mit Klischees und Vorurteilen. Die so muntere wie sentimentale Familiengeschichte um Verantwor­tung und Stolz scheut jedes dramaturgische Risiko. Stattdessen versteht sie es, ihrem Publikum zu schmeicheln, um ihre Botschaft der schenkelklopfenden Toleranz zu vermitteln: Wer mit diesen Figuren lacht, der kann schließlich nicht ganz und gar schlechter Gesinnung sein.

Text: Gerhard Midding

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Triff die Elisabeths“ im Kino in Berlin

Triff die Elisabeths (La premiиre йtoile), Frankreich 2009; Regie: Lucien Jean-Baptiste; Darsteller: Lucien Jean-Baptiste (Jean-Gabriel), Anne Consigny (Suzy), Firmine Richard (Bonne Maman); Farbe, 90 Minuten

Kinostart: 31. Dezember

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