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„True Grit“ im Kino in Berlin

True Grit

Mattie Ross ist eine der originellsten Frauenfiguren im Westerngenre – ein naseweiser Teenager mit überkandideltem Vokabular. In der Geschichte von „True Grit“, die Charles Portis in einem Roman aufgeschrieben hat, und die 1969 mit John Wayne und Kim Darby zum ersten Mal verfilmt wurde, ist Mattie Ross die originelle Heldin. Nun haben die Brüder Coen sich diesen Stoff noch einmal vorgenommen, und sie haben ihm, wie zu erwarten war, ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Es ist jenes Prinzip, das man von ihnen schon vielfach zu sehen bekam: Auf dem Grund aller Erzählungen finden sie eine schwarze Komödie. Mattie Ross möchte den Tod ihres Vaters rächen, der bei einer sinnlosen Streiterei ermordet wurde. Sie engagiert dazu den ächzenden alten Marshall Reuben „Rooster“ Cog­burn, den dieses Mal Jeff Bridges spielt – ein Jammer von einem Mann, der aber immer noch große Stücke auf sich hält. Als sie gemeinsam in das Indianerterritorium von Arkansas reiten, um den Schurken Chaney und dessen Bandenmitglieder zu stellen, gesellt sich auch noch der Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon) hinzu, ein schrulliger Kerl, der seinen eigenen Stolz hat.
„True Grit“ folgt einer klassischen Struktur der Verbrecherjagd, in deren Verlauf die drei Hauptfiguren allmählich menschlichere Dimensionen gewinnen – das altkluge Mädchen lernt, sich zu fürchten, der alte Haudegen gerät an seine körperlichen Grenzen, der junge Gesetzeshüter muss einen entscheidenden Schuss absetzen. Das alles erzählen die Coen-Brüder in entspannter Weise, sehr nahe am literarischen Original, woraus sich eine große sprachliche Originalität ergibt – alle Figuren sprechen ein altertümlich elaboriertes Englisch, das voller großartiger Wendungen steckt und das die deutsche Untertitelung zu schönen Lösungen veranlasst hat. Mattie Ross ist dem zufolge ein „herrischer Hosenmatz“ – besser könnte man nicht sagen, wie hier die Kultur (und das Recht) in den Wilden Westen vordringt in Gestalt eines Mädchens, das Hailee Steinfeld deutlich konventioneller anlegt als Kim Darby, bei der Mattie Ross noch ein veritabler Tomboy gewesen war.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „True Grit“ im Kino in Berlin

True Grit, USA 2010; Regie: Ethan & Joel Coen; Darsteller: Jeff Bridges (Marshal Reuben J. Cogburn), Hailee Steinfeld (Mattie Ross), Matt Damon (La Boeuf); 110 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 24. Februar

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