• Kino & Stream
  • Müder Beginn: „Tuan Yuan“ eröffnete die 60. Berlinale

Kino & Stream

Müder Beginn: „Tuan Yuan“ eröffnete die 60. Berlinale

Dass der Eröffnungsfilm der 60. Berlinale auch in Dieter Kosslicks Nebensektion „Kulinarisches Kino“ läuft, konnte einen vorab schon ein wenig skeptisch machen – schließlich müssen dort die Filme stimmmungsmäßig zu mehrgängigen Menüs passen, cineastische Kriterien sind hier mitunter zweitrangig.
Tatsächlich passt der Film von Regisseur Wang Quan’an, der 2006 für „Tuyas Hochzeit“ den Goldenen Bären bekam, ein wenig zu gut in diese Reihe. In „Tuan Yuan“ (Apart, Together), mit dem Am Donnerstagabend im Berlinale Palast am Potsdamer Platz die Wettbewerbskonkurrenz startete, wird viel gekocht und noch mehr gegessen. Doch die Geschichte um einen Ex-Koumintang-Soldaten, der Jahrzehnte nach Ende des chinesischen Bürgerkriegs im Rahmen eines Austauschprogramms zwischen China und Taiwan für einen Besuch in seine Heimatmetropole Shanghai zurückkehrt, um seine Jugendliebe wieder zu gewinnen, löst auch bei vollen Tafeln ein Gefühl von Leere aus. Die späte Systemannäherung ist unverbindlich erzählt, tut niemandem weh, verbeugt sich artig vor der Kriegsgeneration und ihren Entbehrungen und versucht sich in ein wenig Gegenwartsdiagnostik, die darauf hinaus läuft, dass das Leben in den neuen Wohnblocks von Shanghai nicht halb so gemütlich und familiär ist, wie in den alten, herunter gekommenen Quartieren der Stadt. Die chinesischen Behörden hinderte das gleichwohl nicht, die Filmproduktion „unglaublichem Druck und Schikanen“ auszusetzen, wie Wang Quan’an berichtet. In der weiblichen Hauptrolle ist die 82-jährige, US-chinesische Schauspielerin Lisa Lu zu sehen, die zu später Stunde auch alte, non-kommunistische Schlager („Champagner, Glückliche Tage!“) zum Besten gibt. Als Quiao Yu-e muss sie sich zwischen ihrem scheinbar leidenschaftslosen Ehemann (Xu Caigen, 76), den drei Kindern und der neuen, alten Liebe (der Taiwanesische Sänger Ling Feng) entscheiden. Bemerkenswert mit welcher Abgeklärtheit dies anfangs verhandelt wird, aber dann kommen doch alkoholisierte Temparamentausbrüche und die chinesische Bürokratie dazwischen: Um sich scheiden zu lassen, muss das alte Paar erst einmal heiraten. Ein Akt, der auch an ihnen nicht spurlos vorbei geht. Der Festivalbesucher hofft unterdessen auf wildere Aufregungen.

Text: Robert Weixlbaumer

Tuan Yuan, China 2010; Regie: Wang Quan’an; Darsteller: Lisa Lu, Ling Feng, Xu Caigen, Monica Mo, Ma Xiaoqing; Farbe, 93 Minuten

Zur Übersicht: Heute auf der Berlinale

Mehr über Cookies erfahren