Kommentar

„Twittern fürs Ego“ von Bert Rebhandl

Ich weiß, man soll nicht übertreiben, aber seit letzten Mittwoch ist wirklich alles anders

Bert Rebhandl

Dass eine Figur wie Donald Trump bald amerikanischer Präsident sein wird, muss man erst einmal auf die Reihe kriegen. Und wie es oft so ist, ändert sich mit so einem einschneidenden Ereignis auch der Blick auf alles andere. Auf das amerikanische Kino zum Beispiel, das ja immer schon von einem Kult des tatkräftigen Einzelnen geprägt war, und das sehr häufig die Abkürzung über den Instinkt sucht. Figuren wie Clint Eastwood oder selbst Tom Cruise ­waren allerdings immer irgendwo gebrochene Helden, während mit Trump eine Figur auftaucht, die nicht mehr in Erzählungen passt, sondern nur noch in das permanente Selbstgespräch mit dem eigenen Twitter-Account.
Auf Genres umgelegt haben die Demokraten die Wahl verloren, weil sie dem Kino der alten Säcke („The Expendables“) nicht mit ­einer guten Komödie Paroli boten („Bernie Geröllheimer“ oder so etwas Ähnliches), sondern mit einer heiseren Technokratin, die eine halbe Nation zu einem misogynen Coming Out provozierte. Trump schickt nun auch Hollywood ins innere Exil. Wenn die Welt Pech hat, macht er aus Amerika ein Dschungelcamp.

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