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Über die Produktion von „The Dark Knight Rises“

The Dark Knight Rises

Schön ist es nicht, versetzt zu werden. Aber wenn ein Regisseur in Los Angeles eine Verabredung platzen lässt, für den präzise Planung sonst wichtiger scheint als Atmen, kann man schon mal kurz besorgt sein. Christopher Nolan wird doch nichts passiert sein? Ärger mit „The Dark Knight Rises“ vielleicht, seinem als „actually quite shocking“ angekündigten Abschluss der Batman-Trilogie. Oder mit „Superman“, den er nebenbei produziert?
„Ich fürchte, es ist ganz undramatisch“, sagt Emma Thomas. Sie ist die Produzentin seiner Filme, Lebenspartnerin und Mutter dreier gemeinsamer Kinder. Bisher lieber die Frau im Hintergrund, mehr als ein Händeschütteln am Rande von Dreharbeiten war nie drin. „Chris steckt mit einer Erkältung in der Postproduktion und hat jeden Termin außer Hauses abgesagt, um seine Kräfte auf den Film zu konzentrieren – und um niemanden anzustecken. Aber er ist im Plan. Er wird die Serie genau so beenden, wie er es immer geplant hat.“
Emma Thomas sitzt in einer Suite des Beverly Wilshire Hotel und erntet zustimmendes Gemurmel. Ihr Mann mag verhindert sein, doch die Verstärkung entschädigt durchaus beim Exklusivtermin mit dem inneren Zirkel von „The Dark Knight Rises“. Wobei es sich auch um eine „Inception“-Reunion handeln könnte. Joseph Gordon-Levitt ist hoch konzentriert im smarten Anzug, Tom Hardy lässt Macho-Charme blitzen und Marion Cotillard strahlt zu schön und sphinxhaft, um wahr zu sein.
Auch „Batman“-Darsteller Christian Bale, über dessen finales Kapitel hier eigentlich gesprochen werden soll, kann gar nicht lassen von „Inception“. „Die ganze Batman-Serie“, erklärt er, „fühlt sich an wie eine Geschichte, die wir über 21 Monate am Stück drehten. Waren Chris und ich zusammen, passte kein Blatt Papier zwischen uns. Er ist mein Freund, und ich vertraue ihm blind am Set. Ist die Show aber vorbei, trennen sich die Wege für andere Jobs. Und fuck, was bin ich neidisch auf die Runde hier, dass sie zusammen etwas Irres wie ‚Inception‘ machen konnten.“
The Dark Knight RisesBeim Vergleichen individueller Erfahrungen unter Nolans Regie einigt sich die Gruppe bald darauf, einem Wachstumsprozess von zwei Seiten beigewohnt zu haben. „‚The Dark Knight Rises‘ ist deutlich größer und radikaler als die Batman-Filme zuvor“, sagt Bale, „weil es Chris mit ‚Inception‘ zur Meisterschaft gebracht hat, intime Geschichten auf epischem Level zu erzählen.“
Tom Hardy ergänzt: „Ich erlebte ihn nie anders als tiefenentspannt – doch möchte ich sagen, dass sich seine inszenatorische Intui­tion als Regisseur seit ‚Inception‘ verschärft hat. Er weiß schon beim Schreiben immer genau, wie er beim Drehen die entsprechenden Bilder schafft. Doch ‚Inception‘ hat ihm die Freiheit gegeben, letzte Grenzen komplett auszublenden. Der Superblockbuster ist die äußere Form, die er zu beherrschen gelernt hat, um seine heimlichen Ziele zu erreichen.“
Tiefe, dunkle Wolken hängen an diesem Frühsommertag über dem Hotel in Beverly Hills, in dessen Parkeinfahrt trotzdem den ganzen Tag über Designertüten in nagelneue Autos geladen werden. Ein symbolisches Bild. Denn im pumpenden Herzen des Konsums an Systemkritik zu denken anlässlich eines Sommerfilmes, der natürlich auch Milliarden-Unternehmen ist, kommt einem nicht nur wegen des Gewitters über Hollywood in den Sinn.
Wie immer hütet Nolan im Vorfeld einer Premiere hartnäckig Details, gibt bloß Andeutungen preis, hat seinem Personal Sprachregelungen erteilt. Doch so wie „The Dark Knight“ den Zeitgeist der Terrorangst auffing, ist die Jahre später einsetzende Fortsetzung im Schatten der Bankenkrise und Occupy-Bewegung entstanden. „Ich repräsentiere eine Kraft“, deutet Tom Hardy an, „die das System nicht umstürzen will. Ich bin ein Zerstörer.“
Hardy spielt den im Fanboy-Lager neben einer hochgestiefelten Anne Hathaway als Catwoman am sehnlichsten erwarteten Charakter aus der Parallelwelt Gotham City – ein Homunkulus von Mann, der Batman in den Comics als Bruce Wayne enttarnt und ihm das Rückgrat bricht. Man muss an den stillen Stolz und das Staunen in den Augen Heath Ledgers denken, als er in Chicago beim Dreh von „The Dark Knight“ von seinem Spiel als Joker schwärmte. Auch Hardy wirkt noch fassungslos, wie weit er es als Bane treiben durfte. Und sehr erschöpft.

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