Dokumentarfilm

„Über Leben in Demmin“ im Kino

In der Hansestadt Demmin in Vorpommern findet alljährlich am 8. Mai eine Demonstration statt, bei der eine alternative Sicht auf die Geschichte vertreten wird

Salzgeber

Den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus wollen die Veranstalter anders verstehen – als einen Tag der Trauer über die Verbrechen der sowjetischen Befreier, die in Demmin 1945 zu einer Welle von Selbstmorden geführt haben. Mehr als 600 Menschen wollten es nicht riskieren, den Siegern im Zweiten Weltkrieg in die Hände zu fallen.

Martin Farkas versucht in seinem Dokumentarfilm „Über Leben in Demmin“, die Gedächtnisspuren dieser Ereignisse aufzunehmen. Bald wird aber klar, dass es ihm vor allem um das heutige Deutschland geht: „Wie wir wurden, was wir sind“, das will er in Gesprächen mit Menschen aller Generationen herausfinden. Und dann ist da natürlich noch der „Aufzug“, ein Aufmarsch von Rechtsradikalen, auf den gewöhnlich eine noch größere Gegendemonstration von Linken antwortet – dazwischen die Polizei.

Martin Farkas versucht, sich möglichst unbefangen zu bewegen, und so kommt hier ein sehr aufschlussreicher Blick auf die Polarisierung im Land zustande – und auf Menschen, die nach Positionen zwischen den Extremen suchen. Geschichte und Gegenwart gehören zusammen, auch wenn sich in dem Spalt zwischen damals und heute die ideologischen Interessen breit machen. Nicht wenige wollen dabei „neutral“ bleiben, aber dieser Film zeigt, dass man von Angesicht zu Angesicht nicht unbeteiligt bleiben kann.

Über Leben in Demmin D 2017, 90 Min., R: Martin Farkas, Start: 22.3.

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