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Überfällige Hommage: „Sushi in Suhl“

Sushi_in_Suhl_01_c_MovienetFilmGmbHHinter thüringischen Bergen träumt ein Koch von Japan, von Kirschblüten, Exotik und Sukiyaki. Er heißt Rolf Anschütz und betreibt in dem Städtchen Suhl, damals Zentrum der Jagdwaffenproduktion der DDR, die HO-Gaststätte „Zum Waffenschmied“. Würzfleisch, Rouladen, Klöße und Rotkohl sind langweiliger Standard. Ach Japan! Doch wie realisiert man unbekannte Aromen und Gerichte, wenn die Zutaten fehlen?

Rolf Anschütz erfindet 1966 seine „Szuki Yaki“, gibt Kohlrabi statt Bambus in die Rinderbrühe, umwickelt Sushi mit Spinat statt Seetang. Zuerst will er damit nur seine Freunde überraschen. Inspiriert von einem angestaubten Buch über „Die Küchen der Welt“, sorgt er für japanisches Ambiente in einem Hinterraum, nimmt Judokittel als Vorlage für Kimonos, in die er seine Kellnerin, fortan Geisha Giesela, hüllt. Als ein Freund Anschütz’ Bemühen in einer örtlichen Tageszeitung würdigt, steht plötzlich nicht nur der erste Japaner im Gastraum, sondern auch die HO Kopf. Darf einer in der DDR so aus der Reihe tanzen? Sollte man den „Waffenschmied“ nicht besser schließen? Andererseits hebt Anschütz’ Vision das magere internationale Renommee und so darf er fortan für die Völkerverständigung kochen. Da ihm sein erster japanischer Gast wertvolle Lektionen und originale japanische Zutaten vermittelt, wird Rolf Anschütz’ Lokal bald so berühmt, dass ihn 1979 sogar der japanische Kaiser empfängt. Ein thüringisches Märchen?

Nein, Rolf Anschütz hat es gegeben und „Sushi in Suhl“ ist eine überfällige Hommage. Mit einem glänzenden Uwe Steimle in der Hauptrolle serviert Regisseur Carsten Fiebeler die liebenswerte Tragikomödie mit einem Schuss Ostalgie. Er erzählt die wundersame Erfolgsstory im Schnellgang, ohne ihre Schattenseiten auszusparen – etwa wie Anschütz’ Ehe an seiner Japan-Manie zerbricht, wie der Koch jäh erkennt, dass er in seinem stillen Suhl eine heile Welt schuf, die im modernen Japan längst als exotisch gilt. Das Filmteam ist übrigens nicht dorthin gereist, das Unglück in Fukushima hat dies verhindert. Uwe Steimle wurde stattdessen in älteres japanisches Bildmaterial kopiert – passend zu einer Geschichte über große Träume und fantastische Improvisationen.        

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto:Movienet Film GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: Sushi in Suhl

Sushi in Suhl
Deutschland 2012; Regie: Carsten Fiebeler; Darsteller: Uwe Steimle (Rolf Anschütz), Julia Richter (Ingrid Anschütz), Ina Paule Klink (Giesela);
107 Minuten; FSK 0;

Kinostart: 18. Oktober

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