Kommentar

„Überraschende Blumen“ von Bert Rebhandl

Mit dem neuen Jahr hat die Deutsche Filmakademie auch das ­Nadelöhr eröffnet, an dessen Ende im April die besten Filme des abgelaufenen Jahres ausgezeichnet werden

Bert Rebhandl

27 Titel sind nun noch in der Auswahl der Spielfilme, das sind auch die, von denen erwartet wird, dass alle stimmberechtigen Mitglieder sie sich anschauen. Selten war eine Konkurrenz so bedeutungslos, da an „Toni Erdmann“ wohl kein Weg vorbeiführen wird. Davon abgesehen ist die Liste aber immer noch lang genug, dass sich wirklich fast das ganze deutsche Kino darin vertreten sehen kann – von einem ganz okayen Romcom-Replikat wie „SMS für dich“ über die zahlreichen Prestigeproduktionen („Paula“, „Marie Curie“, „Nebel im August“, „Die Reise mit Vater“) bis zur gelungenen Literaturver­filmung „Tschick“.
Interessanter ist da schon die Vorauswahl bei den Dokumentar­filmen. Hier findet sich mit „Austerlitz“ (tip 26-2016 und auch auf tip-berlin.de) ein richtig radikales Stück, und mit „Cahier Africain“ (tip 23-2016) wird das geduldige Werk von Heidi Specogna, einer mutigen Langzeitbeobachterin in Zentral­afrika, gewürdigt. Die eigentliche Überraschung aber stellt die Nominierung von Serpil Turhans ­„Überall Blumen“ (tip 19-2016) dar, die wohl auch dem Porträtierten gilt, dem großen Rudolf Thome. Dessen ­Abschied vom (deutschen) Kino wird hier mit Stil und Gefühl und dem angemessenen Schuss ­Melancholie und Unverdrossenheit besiegelt. Ihn noch einmal auf ­einer großen Bühne zu sehen, das wäre schon was.

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