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Berlinale 2017

„Una mujer fantástica“ im Wettbewerb der Berlinale

Eine Transgenderfrau kämpft um ihre Würde

Berlinale

Die junge Transfrau Marina und der 20 Jahre ältere Orlando sind ein Paar – und zwar ein sehr glückliches. Sie kellnert und träumt von einer Karriere als Sängerin, er führt ein kleines Geschäft. Ausgerechnet in der Nacht von Marinas Geburtstag wird diese Idylle gestört – Orlando fällt einfach um und stirbt an einem Aneurysma. Marina ist verstört und traurig, doch Zeit zu trauern bleibt kaum. Denn schnell zeigt sich, dass Marinas und Orlandos Beziehung zwar „ganz normal“ war, von allen anderen aber als höchst außergewöhnlich angesehen wird.

Schon im Krankenhaus wird Marina respektlos behandelt, die herbeigerufene Polizei unterstellt, sie sei gar nicht Orlandos Lebensgefährtin, sondern eine Sexarbeiterin. Außerdem wird sie verdächtigt, sie hätte etwas mit dem Tod ihres Mannes zu tun. Auch Orlandos Familie, vor allem seine Exfrau und sein erwachsener Sohn, die Marina nie an Orlandos Seite akzeptiert haben, beginnen einen erst subtil, dann offen gewalttätigen Kampf gegen Marina. Sie darf nicht an der Beerdigung teilnehmen und soll überhaupt so schnell wie möglich aus dem Blickfeld der Familie verschwinden.

Doch Marina kämpft um ihr Recht zu trauern und darum, als Orlandos Frau auch nach dessen Tod anerkannt zu werden. Auch wenn einige Szenen die Frage um Identität etwas plakativ verhandeln – immer wieder etwa sieht Marina sich selbst im Spiegel – inszeniert der chilenische Regisseur Sebastián Lelio („Gloria“) das Drama angenehm zurückhaltend und unkitschig. Vor allem die großartige Schauspielerin Daniela Vega spielt Marina mit sehr viel Würde und sorgt dafür, dass sie nie als Opfer gezeichnet wird. Anna Mayrhauser

Una mujer fantástica CHI/USA/D/E 2017, 104 Min., R: Sebastián Lelio, D: Daniela Vega, Francisco Reyes, Luis Gnecco, Aline Kuppenheim, Nicolas Saavedra u.a.

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