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„Und dann der Regen“ im Kino in Berlin

Und dann der Regen

500 Jahre liegen dazwischen, und doch gibt es Parallelen zwischen der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus und den sogenannten Wasserkriegen, die sich im Jahr 2000 in Bolivien abspielten. Noch ist dies dem spanischen Filmteam um Regisseur Sebastiбn und seinem Produzenten Costa nicht bewusst, als sie im bolivianischen Cochabamba ihren Dreh beginnen. Ein Historiendrama über die Gräueltaten des spanischen Entdeckers soll es werden, die Kehrseite von Kolumbus zeigen, der durch seine Gier nach Gold die Indianer versklavte. Für Sebastiбns Film fehlt noch der Anführer jener Taнno-Indianer, die sich gegen Kolumbus wehrten und niedergemetzelt wurden: Hatuey. Er wird schließlich mit dem unberechenbaren Daniel besetzt, einem Quechua-Indianer, der zeitgleich für eine freie Wasserversorgung in Cochabamba kämpft. Denn hier bestimmt neuerdings der US-Multi Bechtel als privater Investor die Preise und hat sie flugs um 300 Prozent erhöht.
Und dann werden auch noch die Brunnen versiegelt, nicht einmal den Regen darf man auffangen. So kommt es zum Titel dieses ungeheuer spannenden und vielschichtigen Films der spanischen Regisseurin Icнar Bollaнn. In drei geschickt verwobenen Handlungssträngen skizziert „Und dann der Regen“ die Grausamkeit des Kolumbus, den Irrsinn der Wasserprivatisierung und die Versuche Sebastiбns (Gael Garcнa Bernal), in dem losbrechenden Chaos seinen Film zu drehen. Für alle drei fand Bollaнn einen eigenen Look: raue, dokumentarisch wirkende Videosequenzen für die Revolte in Cochabamba, Breitwandopulenz für die Kolumbus-Historie. Doch dann verschwimmen die Grenzen, führen sich die Schauspieler gegenüber ihren indigenen Statisten und dem Hotelpersonal wie Herrenmenschen auf. Nur einer ist letztlich bereit, sich zu engagieren: ausgerechnet der zynische Produzent, der Pfennigfuchser Costa (Luis Tosar). Seine Wandlung befeuert zusätzlich diesen rundum gelungenen Film, der ohne Moralkeule ins Schwarze trifft.

Text: Cristina Moles Kaupp

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Und dann der Regen“ im Kino in Berlin

Und dann der Regen (Tambiйn la lluvia), Spanien/Frankreich/Mexiko 2010; Regie: Icнar Bollaнn; Darsteller: Luis Tosar (Costa), Gael Garcнa Bernal (Sebastiбn), Carlos Aduviri (Daniel/Hatuey); 103 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 29. Dezember

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseurin Icнar Bollaнn

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