Kommentar

Und ’ne Buddel voll Rum … von Lars Penning

Kürzlich stieß ich auf eine interes­sante US-Studie: Ein Unternehmen für Sicherheitstechnik von Internetplattformen gab eine repräsentative Umfrage in Auftrag, die das Verhältnis von Konsumenten zur Herstellung, Verteilung und Nutzung von „pirate video content“ erforschen sollte

Lars Penning

Demnach ist fast Dreiviertel der Befragten klar, dass das unbefugte Herstellen solcher Inhalte verboten ist, und kaum weniger Leute stuften auch das Streamen und Herunterladen dieser Inhalte als illegal ein. Zugleich gab fast ein Drittel der Befragten zu, solchen Content zu nutzen, und 39 Prozent der Befragten ­erklärten, das Wissen um die etwaige Schädigung der Originalhersteller habe keinen Einfluss auf ihr Verhalten.
Mich erinnert das an die frühen 1980er-Jahre, als die Musikindustrie auf Schallplatteninlets Cassetten mit gekreuzten Knochen drucken ließ und dazu martialisch verkündete: „Home Taping is Killing Music!“ Was haben wir damals gelacht – wohl ­wissend, dass die Industrie ihre hochgerechneten Verluste stets schamlos übertrieb. Doch die Spielregeln haben sich tatsächlich geändert: Längst betrifft die Verletzung von Copyrights im Internet nicht mehr nur Großkonzerne, sondern in gleichem Maße Kleinverlage, freie ­Künstler oder Journalisten, denen die Lebensgrundlage zusehends ent­zogen wird. Im Internet ist alles umsonst und nichts ist mehr etwas wert – auch das ist die Aussage dieser Umfrage. Wie man damit umgeht, bleibt eine der wichtigen ­Fragen kommender Jahre. Viele Antworten gibt es noch nicht.

Mehr über Cookies erfahren