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„Underdog“ im Kino

Underdog

Die meisten Menschen sind schlecht in Kornйl Mundruczуs „Underdog“. Das fängt bei der Mutter der Hauptfigur, des Mädchens Lili, an – sie schiebt ihre Tochter für drei Monate zu ihrem verbitterten Vater ab. Und das setzt sich fort über einen ungeduldigen Musiklehrer bis zu all den anderen Leuten, die ihren Auftritt in der Geschichte haben, weil Lili und ihr Hund Hagen getrennt werden. Zwei einsame Seelen, bei denen es auf eine große, furchterregende Wiederbegegnung hinausläuft.
Die Hunde sind in dem seit seiner Festivalpremiere in Cannes 2014 viel diskutierten „Underdog“ eine deutliche Metapher für diejenigen, die in einer Gesellschaft wie der ungarischen ganz unten sind. Sie werden mit Skistöcken gejagt, vor der Einschläferung bekommen sie immerhin noch einen Zeichentrickfilm zu sehen. Besonders Promenadenmischungen werden verfolgt, ein überdeutlicher Hinweis auf den Rassismus gegenüber Roma und anderen Minderheiten. Aber Mundruczу interessiert sich letztendlich nicht wirklich für soziale Wirklichkeiten, sondern für eine effektvolle, immer wieder auch pathetische, grob konturierte Schauergeschichte, in der die Hunde die „Miserablen“ sind – ihre Barrikaden stehen vor dem Musikzimmer. Lili (beeindruckend: Zsуfia Psotta) allein hat Verständnis, ohne sie hieße es wohl bald: „World War C“ – wie in „cave canem“, dem alten Spruch aus dem Lateinunterricht. Hüte dich vor dem Hund. Im Gegenteil: Hüte dich vor den Hundefeinden. Sie sind in der groben Logik von „Underdog“ unschwer zu erkennen.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Delphi Filmverleih

Orte und Zeiten: „Underdog“ im Kino in Berlin

Underdog (Fehйr Isten), H/D/S 2014; Regie: Kornйl Mundruczу; Darsteller: Zsуfia Psotta (Lili), Sбndor Zsуtйr (Dбniel), Lili Monori (Bev); 121 Minuten

Kinostart: Do, 25. Juni 2015

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