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Ungewohnt komödiantisch: „Angels’ Share“ von Ken Loach

Angels_Sahre_Ein_Schluck_fuer_die_Engel_02_c_2012PROKINOFilmverleihGmbHWhisky und Schottland, das gehört in der Überlieferung zusammen, auch wenn das im 21. Jahrhundert für eine junge Generation, zumal aus der Unterschicht, nicht unmittelbar nachvollziehbar ist. Entsprechend muss Ken Loach in seinem neuen Film erst einige Klimmzüge unternehmen, damit der Kleinkriminelle Robbie den Geschmack des kostbaren Getränks zu würdigen weiß. Doch schließlich stellt Robbie fest, dass er durchaus eine feine Nase für die Unterschiede hat, und entwickelt auch noch eine Idee für einen ebenso großen wie unmöglich scheinenden Coup, bei dem es um ein Fass wertvollsten Whiskys geht.

Gerade weil der jüngste Film des britischen Filmemachers, der sich seit nunmehr über 40 Jahren mit den sozialen Missständen in seiner Heimat beschäftigt, wie ein düsteres Jugenddrama vom Schlage seines „Sweet Sixteen“ beginnt, ist dem Zuschauer bei allen märchenhaften Zügen, die den Film zunehmend prägen, bewusst, dass dies nicht die Regel ist. Viel eher wäre Robbie, der unter Drogeneinfluss einen anderen Jugendlichen so schwer verletzt hat, dass der dabei ein Auge verlor, in den Knast gewandert und hätte nie eine zweite Chance bekommen. Hier erhält er sie von einem Richter, der hofft, dass die bevorstehende Vaterschaft Robbie verändern wird, und von einem Sozialarbeiter, der genau so ist, wie man sich so jemanden wünscht.

Genau das möchte Loach: zeigen, dass die vielen Ausgegrenzten durchaus Potenzial haben, wenn man sie nur machen lässt. Dass es kriminelle Energie ist, um die es hier geht, unterstreicht die Ambivalenz des Ganzen, auch wenn es den dabei Geschädigten letztlich nicht wirklich wehtut. Der titelgebende Anteil der Engel (jene 2?%, die beim Whisky jährlich verdunsten) fällt diesmal eben ein wenig größer aus – und markiert für Robbie den Start in ein neues Leben. Und obwohl die Solidarität zwischen ihm und seinen drei Spießgesellen dabei recht zerbrechlich wirkt, ist der Film ein Mutmacher. Das sollte man nicht unterschätzen.          

Text: Frank Arnold

Foto: 2012 PROKINO Filmverleih GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: The Angels’ Share


The Angels’ Share
Großbritannien/Frankreich 2012; Regie: Ken Loach; Darsteller: Paul Brannigan (Robbie), Siobhan Reilly (Leonie), John Henshaw (Harry); 101 Minuten; FSK 12;

Kinostart: 18. Oktober

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