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„Unter dir die Stadt“ im Kino

Unter_Dir_die_StadtSie: Svenja Steve (Nicolette Krebitz), um die Vierzig, gerade nach Frankfurt gezogen, auf Jobsuche, Frau eines Bankers im mittleren Management. Er: Roland Cordes (Robert Hunger-Bühler), Vorstandsvorsitzender, Banker des Jahres. Die beiden beginnen – nicht sofort – eine Affäre. Er schickt, was sie nicht weiß, ihren Mann nach Indonesien, in ein lebensgefährliches Krisengebiet. In Hotelzimmern und Villen und Vorstandsetagen hinter Glasfassaden spielt „Unter dir die Stadt“, ein Finanzsphärenfilm. Regisseur Christoph Hochhäusler und sein Co-Autor Ulrich Peltzer gehen dabei freilich nie den Weg des geringen Widerstands ins Triviale platter Bankwelt-Kritik.

Das Begehren, das Geld, das Wissen, das Risiko, die Lüge, die Identitäten: alles zirkuliert hier, ist Thema, ist Mittel und Weg, aber nicht in von vorneherein absehbarer Weise. Es gibt eine Sehnsucht nach dem Konkreten des Körpers im Abstrakten des Finanzstroms, nach der eigenen Biografie als Widerhalt gegen das bloße Rädchensein im Getriebe. Einfach aber macht der Film es sich mit diesen Oppositionen nicht. Eher geht es um eine Dialektik von Offenheit und Fassade, an deren Ende kein Stein auf dem anderen bleibt. Cordes baut sich eine Vergangenheit, als könne man sich ein richtiges Leben im falschen erfinden. In Tiefgaragen wird er zum Junkie-Voyeur. Auf die Frage seiner Frau nach dem „Warum“ seiner Abwege hat er keine Antwort. Auch Svenja Steve spielt mit dem Feuer, und man weiß nicht, ob und wann sie weiß, was sie tut.

Kühl und virtuos sind die Bilder von Bernhard Keller, großartig am Rande des Tonalen die als eigenes Element dagegengesetzte Musik von Benedikt Schiefer. Scharfkantig, selbst quasi atonal, in Ellipsen und Sprüngen rhythmisiert Stefan Stabenows Schnitt die Szenenabfolge. Faszinierend unlesbar bleiben – für sich, für den Betrachter – in ihren Bewegungen Krebitz und Hunger-Bühler. Das Ende ist Status-unklar und offen. Könnte glatt sein, jetzt beginnt die Revolution.    

Text: Ekkehard Knörer

tip-Bewertung: Sehenswert

Das Interview mit Regisseur Christoph Hochhäusler und Co-Autor Ulrich Peltzer finden Sie hier.

Orte und Zeiten: „Unter dir die Stadt“ im Kino in Berlin

Unter dir die Stadt Deutschland 2010; Regie: Christoph Hochhäusler; Darsteller: Nicolette Krebitz (Svenja Steve), Robert Hunger-Bühler (Roland Cordes), Mark Waschke (Oliver Steve); 110 Minuten; FSK 12

Kinostart: 31. März

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