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„Unter Menschen“ im Kino

Unter_Menschen_04_c_MissingfilmsFür manche AIDS-Forscher der 1980er-Jahre galten Versuche an Menschenaffen als unverzichtbar. Auch der österreichische Pharma-Konzern Immuno hielt Dutzende Schimpansen als Versuchstiere. 1997 wurde die Forschung ergebnislos eingestellt. Zurück blieben rund 40 sozial teils schwer geschädigte Schimpansen, nach Jahren in kleinen Gitterzellen ohne Bewegungsmöglichkeit und ohne Kontakt mit Artgenossen. Der Immuno-Nachfolger Baxter begann mit einem Resozialisierungsprogramm und baute ihnen ein eigenes Haus in einem Safari-Park in der Nähe von Wien. Hier leben sie – nach vielen finanziellen, organisatorischen und politischen Wirrnissen um ihren Verbleib – noch immer. Und hier haben die beiden Dokumentarfilmer Christian Rost und Claus Strigel sie gefilmt, in langsamen, streng ästhetischen Aufnahmen: beim Kontakt mit ihren Pflegerinnen, die sie teils seit ihrer Laborzeit begleiten, beim Essen, Spielen, Affesein. Langsam weitet sich dann der filmische Blick, in Interviews mit Zeitzeugen und Tierrechtsaktivisten wird die Geschichte der schon in den 80er-Jahren umstrittenen Laborforschung an Menschenaffen aufgerollt. Aber im Fokus bleiben immer die geschädigten Schimpansen und ihr Schicksal. Dem kann man sich schwer entziehen.

Text: Catherine Newmark

Foto: Missingfilms

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Unter Menschen“ im Kino in Berlin

Unter Menschen Deutschland/Österreich 2012; Regie: Christian Rost, Claus Strigel; 95 Minuten; FSK 6; Kinostart: 21. März 2013

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