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„Urban Explorer“ im Kino

Urban Explorers

Sie suchten den Adrenalinkick – und bekamen mehr, als sie wollten. „Urban Explorer“ erzählt von einer internationalen Gruppe junger Touristen, die in Berlin unter der Führung eines Einheimischen (Max Riemelt) in den Untergrund hinabsteigen, für wohligen Schauer zwischen unheimlicher Atmosphäre und einigen Relikten aus der Zeit des Dritten Reichs. Doch dann kommt es zu einem tragischen Unfall, und die fünfköpfige Gruppe ist dringend auf Hilfe angewiesen. Zum Glück begegnen sie Armin, einem bärtigen Alten, der hier noch eine Art Wachdienst versieht und in seinem Unterstand auch über ein Telefon verfügt (denn die Handys funktionieren natürlich nicht). Etwas komisch ist der Alte ja schon, zumal wenn er von seiner Zeit bei den DDR-Grenztruppen erzählt, aber damit könnte man leben – was bleibt einem auch anderes übrig? Doch der wahre Schrecken steht den jungen Leuten noch bevor, und Klaus Stiglmeier, der Darsteller des Armin, hat sich mit diesem Film zweifellos einen Platz im Horror-Olymp gesichert.
Urban Explorers„Urban Explorer“ ist ein deutscher Genrefilm, ein Horrorfilm zudem. Anders als der zuletzt so gelobte „Hell“ von Tim Fehlbaum entstand „Urban Explorer“, der erste Langfilm, den Andy Fetscher nach seinem Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg gedreht hat, ohne Fördergelder, ohne einen prominenten Namen wie Roland Emmerich als Executive Producer, und er wird auch nicht von der deutschen Filiale eines amerikanischen Majors in die Kinos gebracht. Weitgehend unter entsprechend schwierigen Bedingungen on Location entstanden, ist „Urban Explorer“ kleines, aber professionell gemachtes Genrekino, das sich auch Zeit nimmt, die unterschiedlichen Figuren zu charakterisieren, bevor es im Schlussteil durchaus heftig zur Sache geht. Letzteres heißt aber nicht, dass Andy Fetscher nicht auch die klassische Erzählkunst beherrscht. Schon „Bukarest Fleisch“, sein abendfüllender Abschlussfilm an der Filmakademie, schaffte die Balance zwischen drastischen Bildern und atmosphärischem Horror.
„Ich mag Horror – so eine Atmosphäre zu erzeugen, auch mit weniger Mitteln, als sie ein amerikanischer Film zur Verfügung hat“, erzählt Andy Fetscher im Gespräch. „Atmosphäre ist nirgendwo greifbarer als an toten Orten, die früher mal belebt waren. Es geht eigentlich nur noch darum, die Protagonisten deines Films an diesen Ort zu bringen, ohne dass es irgendwie aufgesetzt wirkt. Ich fände es albern, wenn sie zufällig an diesen Ort gerieten – bei mir haben sie den festen Vorsatz, diese Orte zu sehen, die sonst keiner sehen will. Dass man für diesen Kick ganz bewusst dort hingeht, ist das Entscheidende.“

Text: Frank Arnold

Fotos: Summiteer Films

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Urban Explorer“ im Kino in Berlin

Urban Explorer, Deutschland 2011; Regie: Andy Fetscher; Darsteller: Max Riemelt (Kris), Klaus Stiglmeier (Armin), Nathalie Kelley (Lucia); 95 Minuten; FSK 18

Kinostart: 20. Oktober

Lesen Sie hier: Du bist Berlin – Ein Porträt des Regisseurs Andy Fetscher

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