Echtzeit-Drama

„Utøya 22. Juli“ im Kino

Am 22. Juli 2011 ließ Anders Breivik erst in der Osloer Innenstadt eine Bombe hochgehen, die acht Menschen tötete, um dann auf der Insel Utøya ein Massaker mit 69 Opfern anzurichten.

Agnete Brun

Ein besonderer Schock für eine so wohlhabende, gesittete, scheinbar funktionierende Gesellschaft wie die Norwegens. Erik Poppe wählt für seine filmische Umsetzung einen radikal subjektiven Ansatz: Nach einem kurzen Prolog, der den Anschlag in Oslo zeigt, begleitet er fortan in einer kontinuierlichen Einstellung das Mädchen Kaya (Andrea Berntzen). Sie versucht Deckung – und ihre kleine Schwester zu finden.

Technisch ist das ohne Frage eindrucksvoll, von Berntzen auch intensiv und überzeugend gespielt. Doch wenn man einmal mehr mit Kaya im Gebüsch liegt und im Hintergrund mal der Attentäter, mal ein verblutender Mitschüler zu sehen ist, stellt sich mehr und mehr die Frage, welchen Erkenntnisgewinn Poppe erzielen will. Wahr ist sein Film nur bedingt, die Figur der Kaya erfunden, aus Erlebnissen der echten Überlebenden zusammengesetzt, jegliche Psychologie bleibt außen vor. Was zählt, ist nur der atemlose, angsteinflößende Moment.

Utøya 22. Juli N 2018, 92 Min., R: Erik Poppe, D: Andrea Berntzen, Aleksander Holmen, Start: 20.9.

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