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Vadim Glowna ist tot

Vadim Glowna

Vadim Glowna ist tot. Wie seine Agentur Contact heute bekannt gab, verstarb der 1941 in Eutin geborene Schauspieler bereits in der Nacht zum Dienstag nach kurzer, schwerer Krankheit in einem Berliner Krankenhaus.
Nach Abbruch seines Theologiestudiums jobbte Glowna zunächst als Seemann, Taxifahrer, Hotelboy und Schlagzeuger, bevor er nach drei Monaten Ausbildung von Gustav Gründgens ins Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg übernommen wurde. Im Fernsehen drehte er zu Beginn unter Peter Lilienthal und Peter Zadek. Ein Ausflug in die Wallace-Welt in „Die Tote aus der Themse“ blieb die Ausnahme. Dafür spielte Glowna seit „Liebe und so weiter“ 1968 Rebellen und Außenseiter für den Neuen Deutschen Film („Der Hauptdarsteller“, „Der Schneider von Ulm“). 30 Jahre später wird er als BKA-Chef dem Terroristen „Baader“ gegenüberstehen.
International gehörte Glowna zu den Wehrmachtsoldaten in Sam Peckinpahs „Steiner“, war TV-Produzent in Bertrand Taverniers „Death Watch – Der gekaufte Tod“ und der titelgebende Komponist in der Schweizer Produktion „Mein Name ist Bach“ (2002). Im Fernsehen konnte Glowna seine Vielseitigkeit vom Bauern in „Die Reise nach Tilsit“ über den Schriftsteller „Blaubart“ bis zum Vater, der seinen Sohn in „Schwabenkinder“ verkauft, unter Beweis stellen.
Glowna, der knapp 120 Rollen gespielt hat, war auch als Regisseur und Produzent tätig und wurde für seine Hamburger Großstadtballade „Desperado City“ 1981 in Cannes mit der Camиra d’Or für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet. Er adaptierte eine Südseegeschichte von Joseph Conrad („Des Teufels Paradies“, 1987) und folgte den Spuren der Schauspielerfamilie Tschechowa in „Tschechow in meinem Leben“ (1984). Zuletzt war Vadim Glowna im Oktober vergangenen Jahres in Oliver Hirschbiegels Historienmehrteiler „Borgia“ im deutschen Fernsehen zu sehen gewesen.
„Vadim Glowna zählte zu den vielseitigsten Charakterdarstellern hierzulande, der auf der Bühne ebenso Zuhause war wie im Film und Fernsehen. Er verstand auf besondere Weise, seinen Rollen die Aura des Geheimnisvollen und Undurchsichtigen zu verleihen. Für sein künstlerisches Schaffen wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt. Die deutsche Film- und Theaterlandschaft ist mit seinem Tod um einen außergwöhnlichen Schauspieler ärmer geworden“, erklärt Kulturstaatsminister Bernd Neumann.

Quelle: Blickpunkt:Film

Foto: Andreas Reiner / Creative Commons

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