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„Vaters Garten“ von Peter Liechti

Vaters_Garten_03_c_SalzgeberMit den Eltern ist das so eine Sache: Je älter man wird, desto größer werden die Ähnlichkeiten. Zugleich rücken sie aber allmählich in jene Distanz, die irgendwann auch auf die eigene Endlichkeit verweist. Darüber einen Film zu machen, scheint zuerst einmal eine relativ einfache Aufgabe zu sein. Denn die Kamera hat ja den großen Vorzug, dass sie die Zeit anhält: Was einmal aufgenommen ist, bleibt erhalten. Will man das aber? Den Eltern ein filmisches Denkmal setzen?

Der Schweizer Peter Liechti war früher einmal ein echtes Sorgenkind. Er ließ sich die Haare wachsen, hörte (für Ungeübte) schwer erträgliche Musik und strebte einen unsicheren Beruf an. Inzwischen ist er ein anerkannter Filmkünstler, einer der originellsten Grenzgänger zwischen den Formen, und mit „Vaters Garten“ hat er nun ein höchst persönliches Meisterstück gemacht, in dem er seine Emanzipation aufarbeitet, indem er sie in der ausgebliebenen seiner Eltern spiegelt. Denn diese beiden betagten Leute leben zwar ein feinsäuberlich geordnetes Leben, das beinahe als eine Karikatur aller Klischees von typischen Schweizern durchgehen kann. Doch in diesem Leben sind viele Dinge ausgeblieben, weil der Garten eben immer gepflegt sein musste und nie ins Offene wachsen durfte, um im Bild zu bleiben.

Liechti zeigt nicht einfach nur Bilder von seinen Eltern, er setzt sich in der Montage, in seinen Fragen und Kommentaren damit auseinander, und er bedient sich eines Kunstgriffes, um in das Intime wieder ein Moment der Distanz zu bringen: Seine beiden Eltern tauchen noch einmal als Handpuppenfiguren auf, die Dialoge aus dem Familienleben nachspielen. Und gerade hier, in der komischen Verfremdung, wird die Dominanz des Vaters einerseits übermächtig, aber eben auch gebrochen. So wird „Vaters Garten“ zu einem überragenden Dokument jener gebundenen und letztlich immer ein wenig melancholischen Freiheit, die in einer geglückten Sozialisation erreichbar ist.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Salzgeber

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Vaters Garten“ im Kino in Berlin

Vaters Garten Schweiz 2013; Regie: Peter Liechti; 93 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 21. November 2013

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