Melodram

„Verborgene Schönheit“ im Kino

Lüge als Heilung – Wo lauert sie, die „Verborgene Schönheit“?

Foto: Warner Bros./Barry Wetcher

Wenn jemand nicht an Gott glaubt, dann ­bleiben nur abstraktere Instanzen: Liebe, Zeit und Tod sind die Adressaten von drei Briefen, die der Werber Howard nach dem Verlust ­seiner Tochter schreibt. Mit einer Antwort rechnet er nicht, seine Briefe hatten ja den Charakter ­einer Abrechnung: An die Liebe mag er nicht mehr glauben, die Zeit hat keinen Wert mehr, der Tod hat längst auch Howards Leben im Griff. Er verweigert sich hartnäckig der Trauer­arbeit.
In dem Drama „Verborgene Schönheit“ geht es eben darum: einen Verlorenen wieder ins Leben zurückzuführen. Es gibt auch konkrete praktische Gründe: Howards Kollegen in der Werbeagentur brauchen sein Einverständnis für eine geschäftliche Entscheidung. Sie ­lassen sich also etwas einfallen. Liebe, Zeit und Tod werden lebendig, sie werden von Schauspielern verkörpert, die Howard wie Geister erscheinen sollen.
Therapie durch Intervention, Lüge im Dienst der Heilung – all das spielt in David Frankels Film eine Rolle, und Howard ist beileibe nicht der einzige, der etwas mit sich zu klären hat. So wird das Prinzip der „Collateral Beauty“ (wörtlich: „beiläufige Schönheit“) zu einem Schlüssel für die Geheimnisse des Lebens, die sich aus negativen Erfahrungen her beson­ders intensiv erschließen lassen. Will Smith zeigt wie schon in „Sieben Leben“, dass er dem Kitsch nicht abhold ist. Wer gern zwei Stunden einen mächtigen Kloß im Hals haben möchte, ist hier bestens bedient.

Collateral Beauty (OT) USA 2016, 128 Min., R: David Frankel, D: Will Smith, Edward Norton, Keira Knightley, Michael Peña, Naomie Harris, Start: 19.1.

Bewertungspunkte4

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