Romanverfilmung

„Verschwörung“ im Kino

Konstruiert und seelenlos: Die neue Folge der „Millennium“-Reihe nach Motiven von Stieg Larssons Bestseller-Krimis

Sony Pictures

Seit viele Produzenten in Fortsetzungen und Remakes einen Schlüssel zum Erfolg an den Kinokassen sehen, doktern sie bei ihren Reanimationsbemühungen im Verein mit Regisseuren und Drehbuchautoren solange an einem Projekt herum, bis es so konstruiert und seelenlos wirkt wie die neue, diesmal US-amerikanische Folge der „Millennium“-Reihe. Basierend auf Figuren und Motive des 2004 verstorbenen Bestsellerautoren Stieg Larsson rechnet die punkige Super-Hackerin Lisbeth Salander in dieser Verfilmung eines Krimis von David Lagercrantz als weiblicher Equalizer zunächst erneut mit einem Frauenschänder ab.

Dann sorgt sie dafür, dass ein Computerprogramm, welches den Zugriff auf fast alle Atomwaffen der Welt ermöglicht, nicht in Hände von Geheimdiensten und Gangstern gerät. Im Dickicht des Handlungsgeflechts voller verblüffender, nicht immer nachvollziehbarer Zufälle und Wendungen verliert man die innere Logik der Geschichte und die Motive der diffus charakterisierten Figuren öfters aus den Augen.

Der Journalist Mikael Blomkvist spielt diesmal keine nennenswerte Rolle, und wenn die zierliche, mit 1,62 Metern eher kleine Engländerin Claire Foy als unbesiegbare Heroine Schwerverbrecher in unbeholfen choreografierten Nahkämpfen ausschaltet oder unter Einfluss eines starken Betäubungsmittels eine rasende Autoverfolgungsjagd gewinnt, ist das alles andere als glaubwürdig, aber recht unterhaltsam. Sehenswert ist die stilistisch homogene Bildgestaltung: Es herrscht Winter in Stockholm, die Farbskala ist von kühlen Grau- und Blautönen geprägt, das Produktion Design in karg möblierten, riesigen Lofts oder Luxusdomizilen verstärkt die ungemütliche Grundstimmung. Eine zentrale Rolle spielt ein autistischer Knabe, in den Anfangs- und Schlussszenen wird zudem der familiäre Hintergrund der Heldin beleuchtet. Ralph Umard

 

THE GIRL IN THE SPIDER’S WEB (OT)

USA 2018, 117 Min.; R: Fede Alvarez; D: Claire Foy, Lakaith Stanfield, Sverrit Gudnason. Start: 22.11.

zwiespältig / Note 4

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