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„Verzaubert Film Weekend“ im Cinestar

Rudi FürstenbergerEin Gespräch mit dem Festivalleiter Rudi Fürstberger über den Wandel des schwullesbischen Publikums­interesses.

tip Herr Fürstberger, das Verzaubert-Festival war in den vergangenen Jahren viel umfangreicher, jetzt ist es deutlich verkürzt worden. Gab es keine Filme mehr?
Rudi Fürstberger Nein, es gibt genug Filme, aber es hat sich herausgestellt, dass sich acht Tage Festival einfach nicht mehr tragen. Dadurch, dass die Zuschauerzahlen etwa gleich geblieben sind, sich die Kosten aber etwa verfünffacht haben, mussten wir eine ganz andere Strategie fahren: es entweder ganz aufgeben oder es in der strafferen Form neu versuchen, eben an einem Wochenende, zweimal im Jahr. Es sind jetzt 13 der besten Filme zu sehen, die auf anderen queeren Fes­tivals sehr gut angekommen sind, es ist quasi ein Best-of.

tip Wie hat sich denn Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?
Fürstberger Als Verzaubert 1990 begonnen hat, gab es nichts, keine DVDs, kein Internet. Die Zeiten haben sich einfach geändert. Inzwischen hat auch jedes größere Fes­tival mehrere schwullesbische Filmtitel mit dabei. Es ist einfach viel breiter geworden und nicht mehr so gezielt. Die jungen Zuschauer sehen es auch nicht mehr als politische Aufgabe an. Es ist Normalität eingekehrt. Vielleicht auch eine gefährliche Normalität: Viele vergessen auch, dass man immer noch in der Minderheit ist und Orte finden sollte, wo man sich kennenlernt und sich in Filmen reflektiert sieht. Ich will das nicht zu politisch machen, wir sind ein reines Entertainment-Festival. Aber nur weil jede amerikanische Sitcom eine schwule oder lesbische Figur hat, heißt das noch nicht, dass man angekommen ist. Es gibt immer noch viel zu tun, und es ist wichtig, wach zu bleiben.

tip In Berlin gibt es schon allein durch das Berlinale-Panorama eine ganz besondere Konkurrenz, aber auch durch andere Festivals, wie das Pornfilmfestival, das es inzwischen gibt.
Fürstberger Es gibt sogar ein schwules australisches Kurzfilm­festival, es gibt die schrägsten Experimentalfilme, die in irgendeiner Kneipe in Kreuzberg gezeigt werden. Es gibt wirklich alles, querbeet. Unsere Nische ist halt wirklich Mainstream – schwullesbisches, quee­res Kino zu zeigen. Darauf sind wir auch ziemlich stolz.

tip Der Mainstream ist die neue Nische?
Fürstberger Der Mainstream ist die neue Nische. Ganz komisch, ja, der Mainstream ist die neue Minderheit (lacht). Wir fühlen uns ganz wohl damit. Ich glaube, wir sind damit auch ganz gut gefahren. Es gibt auch zwei Klassiker beim Festival, die wir behalten werden. Der eine ist das Frauenfrühstück, das immer Sonntagmorgen stattfindet und ein absoluter Renner ist. Und der andere ist die schwule Kurzfilmnacht, die „Gay Propaganda Night“. Das sind die zwei, die wir immer behalten werden.

Interview: Robert Weixlbaumer

Foto: Harry Schnitger/tip

Verzaubert Film Weekend, Fr 4. bis So 6.12., Cinestar am Potsdamer Platz, Termine unter www.verzaubertfilmfest.com

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