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„Viel Lärm um Nichts“ im Kino

Viel Lärm um Nichts

Passionierte „Whedonites“ dürften ihre helle Freude an den dichten, kaskadenhaften Wortschöpfungen und One-Touch-Dialogen haben, die Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ die Reputation eines der gedankenschnelleren und im besten Sinne burleskeren Stücke im Werk des englischen Dichterfürsten einbrachten. Sieht man vom verdrexelten Idiom des 16. Jahrhunderts ab, legt der angestaubte Text bisweilen ein Tempo vor, das für unser an amerikanischen Sitcoms („30 Rock“, „Big Bang Theory“, „Veep“) geschultes Sprachverständnis geradezu modern erscheinen muss. Was im Fall dieser neuesten, weitgehend werkgetreuen und gleichzeitig alles andere als traditionellen Adaption der klassischen Liebeskomödie natürlich auch daran liegen könnte, dass Shakespeares Text von einigen Stammkräften aus Joss Whedons Fernsehfamilie gesprochen wird. (Nein, seine Leading Ladys Sarah Michelle Gellar und Eliza Dukshu sind leider nicht mit von der Partie.)
Whedon, Schöpfer der Popkultur imprägnierten High-Concept-Serien „Buffy – Im Bann der Dämonen“, „Firefly“ und „Dollhouse“, hat ein Faible für nicht unbedingt naheliegende Crossover-Ideen. Nun ist die Modernisierung von Shakespeare wirklich ein alter Hut, Whedon glücklicherweise aber auch kein Baz Luhrmann. Seine Version von „Viel Lärm um nichts“, die aus einem informellen Lesezirkel mit Schauspieler-Freunden im Anschluss an die kräftezehrenden Dreharbeiten von „The Avengers“ hervorging, verzichtet auf übertriebene Produktionswerte und popkulturelle Koketterie. Gedreht wurde in Schwarz-Weiß in Whedons kalifornischem Privatdomizil, was dem Film ein nicht unangemessen mediterranes Suburbia-Flair verleiht.
Dieser visuelle Purismus bedeutet eine Befreiung des Textes aus seinem historischen Korsett, was auch den Schauspielern anzumerken ist. Die „Angel“-Hauptdarsteller Amy Acker und Alexis Denisof umtänzeln sich in den Rollen von Beatrice und Benedick mit flinken, suggestiven Wortgefechten (suggestiv genug, dass Whedon ihnen einen One-Night-Stand andichtet), Nathan Fillion aus „Firefly“ lässt die clowneske Nebenfigur Dogberry zu großer tragikomischer Form auflaufen. „Viel Lärm um nichts“ offenbart eine neue, überraschende Seite an Whedon. Sein Shakespeare ist formvollendet und aufgeräumt wie ein skandinavischer Einrichtungsgegenstand. Absolut zeitlos.

Text: Andreas Busche

Foto: 2012 Messina, LLC

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Viel Lärm um Nichts“ im Kino in Berlin

Viel Lärm um Nichts (Much Ado About Nothing), USA 2012; Regie: Joss Whedon; Darsteller: Amy Acker (Beatrice), Alexis Denisof (Benedick), Clark Gregg (Leonato); 109 Minuten

Kinostart: Do 24.7.2014

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